Zeitung Heute : Start ins Studentenleben

Was kommt nach dem Abitur? Für viele lautet die Antwort: An die Uni gehen. Das ist gar nicht so einfach. Denn für Studienbewerber sind die Regeln von Fach zu Fach unterschiedlich. Ein Wegweiser

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Von Tilmann Warnecke Vor einiger Zeit untersuchte eine Linguistin in Bielefeld die Formulare von Hochschulen, mit denen Abiturienten sich für einen Studienplatz bewerben und später einschreiben. Sie kam zu einem erschütternden Ergebnis: Die Papiere waren so verwirrend gestaltet, dass kein einziger Bewerber es schaffte, sie fehlerfrei auszufüllen.

Die Formulare sind nicht das einzige, was bei bei vielen Abiturienten ein Gefühl der Konfusion auslöst, wenn sie sich um einen Studienplatz bewerben wollen. Denn der Weg auf die Wunschhochschule zum Wunschstudienplatz ist keineswegs einheitlich – sondern kann sich von Fach zu Fach und von Uni zu Uni unterscheiden. Einige beliebte Fächer vergibt die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund bundesweit, bei anderen müssen sich Abiturienten bei der Hochschule direkt bewerben – und anders als in Berlin reicht es bei vielen Unis in anderen Bundesländern aus, sich kurz vor Semesterbeginn ganz ohne Bewerbung einzuschreiben. Wir schlagen eine Schneise durch den Bewerbungsdschungel und beantworten die wichtigsten Fragen.

FÜR WELCHE FÄCHER BEWERBE ICH MICH BEI DER ZVS?

Für sechs Fächer müssen Abiturienten ihre Bewerbung bei der ZVS in Dortmund einreichen: Neben der Medizin gehören dazu die Zahn- und Tiermedizin, Pharmazie sowie die Diplomstudiengänge Biologie und Psychologie. Insgesamt werden so rund 40000 Studienplätze vergeben – um die sich jedes Jahr etwa 117000 Bewerber rangeln. Studienberater sagen, dass die neuen Regeln bei der Studienplatzvergabe unter vielen Abiturienten dieses Jahr für besondere Verwirrung gesorgt haben. Die neuen Regeln besagen, dass die Hochschulen jetzt für 60 Prozent der Plätze ihre Studenten selber auswählen und neben der Abiturnote auch zusätzliche Kriterien wie ein Auswahlgespräch hinzuziehen dürfen – statt wie früher nur bei knapp 25 Prozent. Das bedeutet aber nicht, dass Bewerber für die Plätze in der 60-Prozent-Quote ihre Unterlagen direkt an die Uni schicken. Für alle Plätze müssen sich Studieninteressenten immer noch bei der ZVS bewerben. Einige Unis verlangen allerdings weitere Dokumente wie ein Motivationsschreiben. Welche Unis das sind, kann man über deren oder die ZVS-Homepage erfahren.

FÜR WELCHE FÄCHER MUSS

ICH MICH AN BERLINER UNIS

BEWERBEN?

Wer an einer der großen Berliner Universitäten studieren möchte – also der Humboldt-Universität (HU), der Freien Universität (FU) oder der Technischen Universität (TU) –, muss für jedes Fach Bewerbungsunterlagen einschicken, das nicht von der ZVS vergeben wird. Der Grund: An den Berliner Unis herrscht ein landesweiter Numerus clausus (NC). Der lateinische Begriff steht für „beschränkte Menge“ und bedeutet, dass nicht mehr Bewerber zugelassen werden, als Plätze verfügbar sind. Die Unis entscheiden also aufgrund der Bewerbungen, wen sie annehmen und wen nicht – die Plätze bekommen die Kandiaten mit den besten Noten. Der Abiturschnitt des letzten Bewerbers, der einen Platz bekommt, gilt dann als NC. Der landesweite NC bedeutet allerdings nicht, dass die Unis in allen Fächern scharenweise Studieninterssierte abweisen. Sie wollen den Zugang nur aus Spargründen begrenzen. Der NC schrecke Scheinstudenten ab. Fehlte der NC, könnten sie sich ohne Bewerbung einschreiben. Für die vierte Berliner Universität, die Universität der Künste (UdK), müssen Bewerber oft bei Aufnahmeprüfungen nachweisen, ob sie wirklich künstlerisches Talent haben.

GELTEN BEI FACHHOCHSCHULEN

ANDERE REGELN?

Es gibt einen großen Unterschied, den Bewerber für ein Fach an einer der sieben Berliner Fachhochschulen beachten sollten: Bei vielen Fächern müssen sie bereits vor Beginn des Studiums ein mehrmonatiges Praktikum absolvieren. Die Kriterien sind von Fach zu Fach und Fachhochschule zu Fachhochschule unterschiedlich. Einige Fachhochschulen legen erst nach dem Ende einer ersten Bewerbungsfrist fest, ob sie ein Fach mit einem NC belegen. Falls nicht, können sich Abiturienten dann in den NC-freien Fächern später erneut bewerben.

IST ES EINFACHER, IN ANDEREN

BUNDESLÄNDERN EINEN PLATZ

ZU BEKOMMEN?

In einigen Fächern schon. Da Berlin als beliebte Studentenstadt gilt, sind die Bewerberzahlen hier besonders hoch. Der Spardruck auf die Berliner Unis ist zudem aufgrund der Vorgaben aus der Politik besonders groß. Universitäten in anderen Bundesländern haben es – noch – einfacher und können mehr Plätze zur Verfügung stellen. Viele Fächer sind deswegen in anderen Bundesländern überhaupt nicht zulassungsbeschränkt. Ein Beispiel: Das Fach Neuere Geschichte hatte im letzten Wintersemester an der HU einen NC von 1,8, an der FU von 2,4. An der Uni Heidelberg war das Fach NC-frei. Abiturienten konnten sich dort ohne Bewerbung einschreiben – und das bis kurz vor Beginn des Wintersemesters. Die Unis stellen Listen mit den zulassungsfreien Fächern ins Internet – und oft auch Listen mit den NCs der letzten Jahre.

WAS PASSIERT, WENN ICH KEINEN STUDIENPLATZ BEKOMME?

Egal, ob sich Abiturienten bei der ZVS oder bei der Uni für ihr gewünschtes Fach bewerben mussten: Die Unis vergeben die letzten Plätze per Los. Viele Abiturienten bekommen erfahrungsgemäß bei mehreren Universiäten Zusagen für einen Studienplatz und geben ihre überzähligen Plätze dann wieder ab. Eine formlose Postkarte an die Wunschuni genügt zur Teilnahme bei allen Fächern – selbst wenn man sich vorher noch überhaupt nicht dafür beworben hatte.

Mehr Informationen

im Internet:

www.zvs.de

www.hu-berlin.de/studium/zugang.htm

www.fu-berlin.de/studium

www.tu-berlin.de/studium/index.htm

www.fachhochschulenin-berlin.de

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