Zeitung Heute : "StartUp Interkulturell!" hilft Migranten, eine Firma zu gründen

Sybille Nitsche

Seit Anfang des Jahres gibt es an der TU Berlin mit dem Projekt „StartUp Interkulturell!“ ein weiteres Angebot für Menschen, die sich selbstständig machen wollen. Das Besondere daran ist die Zielgruppe. „Der Coaching- und Beratungsservice richtet sich an gut ausgebildete Berliner Migranten mit einem Hochschulabschluss, abgeschlossener Ausbildung oder Berufserfahrung sowie an Studierende, aber auch Studienabbrecher“, sagt Martin Schönberg, der für „StartUp Interkulturell!“ berät.

Ziel der Initiative ist es, die Kreativität und das Know-how dieser Bevölkerungsgruppen für eine Existenzgründung zu erschließen. „Gerade ihre Sprach- und Kulturkenntnisse, ihr Vernetztsein in zwei Kulturen, ihr Wissen über Wirtschaft und Märkte im Herkunftsland sowie über soziale Strukturen und Bedürfnisse der in Deutschland lebenden eigenen Bevölkerungsgruppe sind ein großer Fundus für die unterschiedlichsten Gründungsideen“, sagt Schönberg.

Der Soziologe ist einer von vier wissenschaftlichen Mitarbeitern des Praxisprojektes, das am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin angesiedelt ist und zunächst bis Ende des nächsten Jahres mit Mitteln des europäischen Sozialfonds gefördert wird. Coaching und Beratung sind daher kostenlos.

„Wir helfen den Ratsuchenden, indem wir gemeinsam die Geschäftsidee weiterentwickeln, Strukturen hineinbringen oder am Businessplan arbeiten“, sagt Schönberg. Zudem können Kontakte zu Rechtsanwälten, Steuerberatern, Banken und zur Ausländerbehörde hergestellt werden.

Hanaa El-Hussein hat die Beratung mit ihren vier Mitstreiterinnen bereits genutzt – und schließlich ihre letzten Zweifel über Bord geworfen. Die fünf Frauen möchten das Beratungsinstitut „Diverlog“ gründen mit dem Schwerpunkt Interkulturalität an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und sozialer Praxis.

Als besonders motivierend empfindet die 41-jährige Diplom-Kauffrau, die im Libanon geboren wurde und in Berlin aufgewachsen ist, dass es während des Coachings hauptsächlich darum geht, die Stärken und das Wissen und Können der Frauen herauszuarbeiten. Außerdem sei das Angebot eine gute Möglichkeit, in der deutschen Öffentlichkeit dem stereotypen Bild vom unqualifizierten, integrationsunwilligen, dafür aber alle staatlichen Hilfen abgreifenden Ausländer ein anderes entgegenzusetzen, sagt El-Hussein. Sybille Nitsche

www.startupinterkulturell.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar