Zeitung Heute : Stau-Schlängler für Stadtbewohner

Piaggios X7 ist ein günstiger City-Roller

Thilo Kozik

Für italienische Verhältnisse hat der heimatliche Großkonzern und Vespa-Schöpfer Piaggio das innerstädtische Feld viel zu lange den fernöstlichen Rivalen von Honda und Yamaha überlassen. Und das, obwohl angesichts des Gewusels in den Stadtkernen von Rom oder Neapel die Idee eines kleinen, wendigen Zweirads quasi auf der Hand hätte liegen müssen. Trotzdem: Erst im letzten Jahr betraten die Leute aus Pontedera mit ihrem X7 auf der Mailänder Messe die Bildfläche, um ernsthaft ein Wörtchen beim City-Kampf mitzureden. Vom Styling mit einer schlicht-eleganten Hülle und sportivem Doppelscheinwerfer in der Frontverkleidung ähnelt der Neuling seinem großen Bruder XEvo ebenso wie dem Vorgänger X8 – in Italien zählt man da anscheinend rückwärts. Der vordere Kotflügel hat die gleiche Form wie bei den anderen, nur ist er beim Neuen mit der Gabel verbunden, dreht sich also beim Lenken mit dem Vorderrad. Dass der X7 auf den ersten Blick einen etwas spartanischen Eindruck macht, liegt vor allem am weitgehenden Verzicht auf glänzende Chromteile.

Auch bei der Ausstattung herrscht alles andere als verschwenderische Üppigkeit. Auf einen Seitenständer wurde verzichtet, was aber nicht schlimm ist, denn der Roller lässt sich mit Leichtigkeit auf den Hauptständer stellen. Das Cockpit folgt der klassischen Dreierkombination mit analoger Temperatur-, Geschwindigkeits- und Tankanzeige. Eine Zeituhr gehört ebenfalls dazu. Bei den Transportkapazitäten bietet der X7 ein paar interessante Aspekte: Das Staufach unter dem Sitz fasst einen Integralhelm samt kleinem Jethelm. Ein Taschenhaken in der Frontverkleidung ergänzt die Mitnahmemöglichkeiten, außerdem befindet sich dort ein tiefes, leider nicht abschließbares Handschuhfach. Als Antrieb verbaut Piaggio beim neuen X7 den 125er Leader-Motor, einen Einzylinder-Viertakter, der maximal 14 PS bei 9750 Umdrehungen pro Minute mobilisiert. Das maximale Drehmoment liegt bei 11,2 Nm, die bei 8000 Umdrehungen anliegen. Übertragen wird die Kraft über eine Variomatik mit Fliehkraft-Kupplung und Riemen-Sekundärantrieb

Zum Starten braucht es nach wie vor ein wenig Gas, doch dann läuft der Einzylinder schnell rund. Gut und sanft reagiert der Motor auf Gasbefehle, beschleunigt bis etwa 80 Stundenkilometer tadellos. Maximal erreicht er 106 km/h, beim Spritverbrauch begnügt er sich mit 3,8 Litern. Mit dem 12 Liter-Tank werden damit Reichweiten von mehr als 300 Kilometer möglich.

Trotz der ausladenden Frontdimensionierung und des nicht gerade geringen Gewichts von 168 Kilogramm liegt der X7 dabei gut in der Hand. Der Sitz passt dank mittlerer Höhe von 790 Millimetern und schlanker Taille den meisten Piloten. Der Lenker liegt allerdings für eine entspannte Sitzposition zu niedrig.

Das Manövrieren fällt trotzdem leicht. Und dass der Wendekreis ein wenig groß ausfällt, ändert nichts an den guten Schlängel-Fähigkeiten des X7. Seine Spurstabilität gefällt auch bei höherem Tempo. Dazu passt die straffe Federung, die mit einem eher fest gepolsterten Sitz einhergeht. Das Zweischeiben-Bremssystem ist gut dosierbar und zeigt ordentliche Wirkung. Bleibt als Fazit: Für den Preis von 3699 Euro stellt der X7 damit eine günstige Alternative in der umkämpften 125er-Klasse dar. Allerdings fallen Ausstattung und Details dem Preis entsprechend aus. Thilo Kozik

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