Zeitung Heute : Staunen und Kuscheln

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Heute zunächst einmal kein geheimer Ausgehtipp, sondern ein Partyhinweis, von dem Sie vielleicht auch schon gehört haben: Das „Marke B“-Festival im Café Moskau. Das ist eine zweitägige Veranstaltung, bei der sich zahlreiche Berliner Plattenlabels und viele ihrer Musiker und DJs vorstellen. Vorstellen, das heißt, mehr als zwei Dutzend Labels informieren über ihre Veröffentlichungen, vor allem aber ist ein regelrechter Auftritts-Marathon zu erwarten. „Auf allen Ebenen im Café Moskau“ steht auf den Einladungen, von der Tanzfläche im Untergeschoss über den Innenhof bis in den ersten Stock hinauf wird es zwei Nächte lang nur um Musik, Musik, Musik gehen.

Auch wenn es sich zunächst so anhört – eine Aufwärmübung für die Popkomm, die ja nächsten Herbst in Berlin stattfinden wird, ist „Marke B“ nicht. Das Festival geht nämlich bereits ins dritte Jahr. Und wie der Name schon sagt, konzentriert man sich dabei ausschließlich auf Marken aus Berlin. Unabhängige Marken. Damit werden die Macher und Protagonisten des großes, multinationalen Musikgeschäftes nicht anwesend sein. Und damit auch keine im Fernsehen gecasteten Bands und ihre Fans, sondern echte VollblutMusiker, die auf Berliner Plattenfirmen veröffentlichen und denen es um musikalische Innovationen und Visionen geht.

Davon gibt es in Berlin derzeit eine ganze Menge. Blättern Sie in diesen Tagen nur mal durch ein Londoner Lifestyle-Heft wie das I.D-Magazine: Sie werden staunen, auf wie viele Gesichter Sie stoßen, die Sie aus Berlin kennen. Einige davon können Sie natürlich auch im Café Moskau anschauen: Electro-Röhre Angie Reed, die Hip Hopper Five Deez, die Dub-Rocker Bus, frickelige Elektronik von Ekkehard Ehlers, und, und, und. Einen klar definierbaren „Berliner Sound“ werden Sie dabei nicht finden, sondern ein musikalisch äußerst breit gefächertes Programm erleben, bei dem stilistisch wirklich alles möglich ist. Lustig auch: Im oberen Stockwerk des Café Moskau werden Labelbetreiber Platten auflegen. Das heißt, dort kann man zu den Klängen der Leute tanzen, die sonst immer in den Büros sitzen und im Hintergrund die Musik-Fäden ziehen. Ob Sie vielleicht besser auflegen, als die Leute, die sie sonst vermarkten? Wir können gespannt sein.

Sollte es Ihnen im Café Moskau zu voll werden, können Sie heute Abend auch noch ins Watergate gehen. Dort präsentiert in der Lounge des Clubs Daniel W. Best seine brandneue CD-Compilation „Best Seven Selections“. Die CD möchte ich Ihnen übrigens wärmstens empfehlen. Best hat für seine CD Stücke ausgewählt, die zwischen Soul, Dub und Reggae seelenvolle Brücken schlagen. Joy Denalane ist mit einem grandiosen, neuen Song darauf zu hören, sowie Sänger wie Patrice oder Cleveland Watkiss. Es ist die wirklich beste Kuschel-CD für die kalten Wintertage. Einmal eingelegt, und Ihre Wohnung heizt sich wie von selbst auf. Im Watergate soll bei der Veröffentlichungs-Party der CD aber nicht nur gekuschelt, sondern natürlich auch getanzt werden. Wie elegant Daniel W. Best das hinbekommt, müssen Sie selbst erleben.

„Marke B“, im Café Moskau, Karl-Marx-Allee, Mitte, heute und morgen ab 23Uhr.

„Best Seven Selections“ im Watergate, Falckensteinstraße 49, Kreuzberg, heute ab 23Uhr.

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