Steinbrücks Glühbirnen : Ein Licht im Wahlkampf

Mit dem Ding gehen sie bestimmt schon lange schwanger in der SPD-Kampa. „Peer“, muss einer von den Jungs schon vor Monaten gesagt haben, „Peer, das geht so nicht weiter“. Damals hat er der Frau Euro-Kanzlerin dauernd vorgeworfen, dass ihr Europa gar nicht am Herzen liege. Europa, fand Peer Steinbrück damals, brauche „eine Erzählung“ und nicht bloß diese Euro-Milliarden-Banken-Vernunft-Rettungsrhetorik von wegen unsere wichtigsten Handelspartner.

Eine richtig tolle Erzählung zum abendlichen Vorlesen für sozialdemokratische Kinderchen ist Steinbrück aber selber nicht eingefallen. Außerdem lehrt der Kontakt zum Wähler, dass diesem Europa auch nicht am Herzen liegt, sondern vielmehr an einem anderen, tiefer gelegenen Körperteil vorbeigeht.

Neulich abends muss ihm ein Licht aufgegangen sein, im Wortsinne. Wahrscheinlich hat er zu Hause im Keller diesen angenehm frischen Pinot Grigio vom letzten Mal gesucht, und da waren wieder diese Kartons im Wege. Leise klirrende Kartons, wenn man sie zur Seite schiebt. Kartons über Kartons voller Glühlampen.

Und so hat sich Peer Steinbrück am Montag in Karlsruhe recht abfällig über die „Regelungswut“ der Europäischen Union geäußert, und dann hat er die Geschichte von den hundert speziellen französischen Glühlampen erzählt, die er im Keller horte, „weil ich nicht weiß, ob ich die in fünf Jahren für meine französische Lampe noch bekomme“.

Der Beifall der Massen ist ihm sicher. Wer hortet nicht noch die eine oder andere Glühlampe, schon um der EU-Kommission einmal im Leben zu trotzen? Selbst wenn es nur für eine billige Ikea- Funzel ist und nicht gleich für eine spezielle französische Spezialleuchte. Der jüngst etwas zögerlich gewordene Beifall Helmut Schmidts ist ihm ebenfalls wieder sicher. Denn Steinbrück hat seinen Förderer als Vorbild hingestellt: Der Altkanzler horte 200 Stangen Menthol- Zigaretten, seit in Brüssel erwogen wird, das Kraut zu verbieten.

Da steckt Wahlkampfpotenzial drin. Als nächster könnte Gregor Gysi eine „Narva-Lichtwurflampe“ auf den Talkshowtisch legen. Jürgen Trittin kontert mit einem Solar-Fahrradlicht. Nur in der Abteilung für asymmetrische Demobilisierung im Adenauer-Haus zweifeln sie noch, ob es nicht etwas übertrieben wäre, Angela Merkel vor der Linse eines rein zufällig anwesenden „Bild“-Leserreporters eine Ladung Osram-Birnen (75 Watt, matt) nach Hause liefern zu lassen. bib

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