Zeitung Heute : Stellenmarkt: Fach- und Führungskräfte müssen sich neuen Gegebenheiten anpassen

Regina-C. Henkel

Der Aufschwung des Dienstleistungssektors hat etwas Bewegung in den Arbeitsmarkt für Fach- und Führungskräfte gebracht - vor allem bei Positionen in der "oberen und obersten Ebene". Das jedenfalls meldet die Bundesanstalt für Arbeit. Die amtlichen Jobvermittler der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) akquirierten 1999 gut 15 Prozent mehr Vermittlungsaufträge in diesem Bereich als ein Jahr zuvor.

Mehr Stellenangebote bekamen die ZAV-Mitarbeiter von Unternehmensberatungen, aus dem Umfeld technischer Dienstleister, für den Immobiliensektor und die Bereiche Spedition / Verkehr. Besonders gefragt waren laut ZAV-Jahresbericht 1999, in dem die Zahlen der Abteilungen "Managementvermittlung national" und "Büro für Führungskräfte der Wirtschaft" zusammengefasst sind, "erfahrene Betriebsspezialisten".

Das liest sich positiv, die absoluten Zahlen sind weniger beeindruckend als es die Prozentangaben vermitteln: Im vergangenen Jahr erhielt die Bonner ZAV - mit Dependencen in Berlin und Frankfurt am Main - 2844 Vermittlungsaufträge zur Besetzung vakanter Positionen, 2926 Führungskräfte der Wirtschaft und der Medizin wandten sich mit einem Suchantrag an die ZAV. Das Ergebnis waren 528 Vermittlungen in eine Position innerhalb Deutschlands: 451 Führungskräfte der Wirtschaft, 72 leitende Fachärzte, fünf Klinikmanager. Die besten Chancen hatten Manager mit Jahreseinkommen zwischen 150 000 und 199 000 Mark und Interesse an kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern.

Als "besonders qualifizierte Fach- und Führungskräfte" gelten bei der Bundesanstalt aber nicht nur hochdotierte Cheflenker mit Veränderungswünschen, sondern auch Fach- und Hochschulabsolventen, die die Alma Mater gerade erst verlassen haben - oder Ältere, die einen Anschlussjob suchen. Den übers Jahr insgesamt 317 700 Stellensuchenden mit Studienabschluss standen 155 600 Stellen gegenüber, die der Bundesanstalt von Unternehmen und Verwaltungen für Akademiker gemeldet wurden. 87 800 dieser Positionen wurden besetzt.

Unter "älter" verstehen die Personalentscheider immer häufiger bereits Bewerber jenseits des dritten Lebensjahrzehnts. Die Bundesanstalt in ihrer Broschüre "Der Arbeitsmarkt für besonders qualifizierte Fach- und Führungskräfte", die bei der ZAV, Arbeitsmarktinformationsstelle, 53107 Bonn, t 02 28 / 173 - 1292, E-Mail: zav-ams.bonn2@t-online.de, kostenlos bestellt werden kann: "In vielen Branchen wird es etwa ab 40 Jahren immer schwieriger, die Stelle zu wechseln, bzw. bei der Arbeitslosigkeit rasch eine neue Position zu finden".

Alles andere als rosig sind auch die Karten für alle diejenigen, die nur einen befristeten Arbeitsvertrag erhielten. Das waren im vergangenen Jahr 43 Prozent aller vermittelten Akademiker. Von den insgesamt 197 900 Arbeitslosen mit Hochschulabschluss, die die Bundesanstalt zum 30. September in ihren Datensätzen hatte, waren 44 Prozent weiblich und vier Prozent (8000 Personen) Berufsanfänger. Zu ABM-Stellen erwähnt die Bundesanstalt, "dass solche Beschäftigungsverhältnisse später nur zum Teil zu längerfristigen bzw. Dauerarbeitsverträgen führen". Davon abgesehen seien zeitlich befristete Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen "deutlich zurückgegangen". Die soziale Absicherung bei unbefristeten Vollzeitarbeitsverhältnissen "erfahre - gerade im akademischen Bereich - eine Reihe von Variationen".

Zum Anforderungsprofil für Führungskräfte und solche, die es werden wollen, äußert sich die Bundesanstalt wie gehabt: guter Studienabschluss, hohefachliche Qualifikation und "immer weiter in den Vordergrund tretende Soft Skills wie Sozial- und Methodenkompetenz, berufliche Flexibilität und regionale Mobilität". Zusätzlich werde erwartet, "das eigene Studienfach - wenn nötig - zu Gunsten arbeitsmarktgängigerer Betätigungsfelder zu verlassen und sich betriebswirtschaftliche, multimediale und informationstechnologische Schlüsselqualifikationen anzueignen".

Ähnliche Ratschläge geben auch die bundesweit knapp 4300 privaten "Erlaubnisinhaber" für Personalvermittlung. Sie vermittelten im 1. Halbjahr 1999 etwa 214 000 Jobs. Der Anteil der Bundesanstalt an allen Personalvermittlungen (ohne Auszubildende, inklusive innerbetriebliche Fluktuation) liegt bei etwa 40 Prozent des Gesamtmarktes. Sieben Prozent ihrer Vermittlungen wickelt Nürnberg inzwischen über die elektronische Stellenbörse "sis" ( www.arbeitsamt.de ) ab.

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