Zeitung Heute : STEPPENFILM

Tulpan

Martin Schwickert

Die Segelohren des Matrosen sind einfach inakzeptabel. Asas Heiratsantrag wird von der Braut abgelehnt. Anderswo würde man tröstend sagen: Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Aber in der kasachischen Steppe ist der Beziehungsmarkt noch übersichtlicher als die platte Landschaft. Nach dem Militärdienst hat Asa bei seiner Schwester Unterschlupf gefunden. Der griesgrämige Schwager macht ihm das Leben schwer und die Existenz der Schafherde ist bedroht. Die Härten des alltäglichen Lebens in der Steppe stehen in „Tulpan“ im Zentrum. Regisseur Sergey Dvortsevoy bleibt nah dran an seinen Figuren, folgt ihnen mit der Handkamera statt sich in atemberaubenden Landschaftsaufnahmen zu ergehen. Die Steppe ist hier kein Sehnsuchtsort für westliche Entschleunigungsfantasien. Sie ist, was sie ist: Staub und Sand. Gut. Martin Schwickert

„Tulpan“, D/KAS/PL/RUS/CH 2008, 103 Min., R: Sergey Dvortsevoy, D: Askhat Kuchinchirekov, Tulepbergen Baisakalov

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