Zeitung Heute : Sterne am globalen Konjunkturhimmel

Anleger sehen auf mittlere und lange Sicht enorme Ertragschancen in den so genannten Schwellenländern

Udo Rettberg

Auf der Suche nach den großen Megatrends sind die institutionellen Investoren in Ländern fündig geworden, die noch vor nicht allzu langer Zeit im Westen als Problemstaaten eingestuft wurden. Die Rede ist von Brasilien, Russland, Indien und China. Aus dieser Rangliste, die eigentlich nicht das jeweilige wirtschaftliche Potenzial widerspiegelt, haben Börsianer den Begriff „BRIC“ kreiert.

Festzustellen ist zweifellos, dass diese bis noch vor kurzem in die Rubrik „Emerging Markets“ – und damit in eine spezielle Risikoklasse – eingestuften Staaten seit einigen Jahren die absoluten Sterne am globalen Konjunkturhimmel sind. Es ist also kein Wunder, dass sich die institutionellen und privaten Investoren in aller Welt auf all jene Anlageprodukte stürzen, die in irgendeiner Form das Etikett „BRIC“ tragen. Die Börsianer haben mittlerweile erkannt: Ökonomische und politische Fortschritte in diesen Ländern und Regionen eröffnen ihnen auf mittlere und längere Sicht enorme Ertragschancen.

Allerdings wird dabei allzu oft von Anlegern übersehen, dass einigen dieser Staaten Mängel in der Rechtssicherheit und andere Schwächen wie labile Bankensysteme oder Devisenverkehrskontrollen vorzuweisen haben, ganz zu schweigen von Menschenrechtsverletzungen; damit vollziehen sich die Fortschritte im Demokratisierungsprozess nur langsam, was nicht unerhebliche Risiken darstellt.

Die Börsianer fokussieren sich vielmehr auf das Wachstumspotenzial der „BRIC“-Staaten – das allerdings wird als enorm hoch eingeschätzt. Denn diese Schwellenländer glänzen seit der Überwindung von Krisen in den neunziger Jahren mit einer immensen wirtschaftlichen Dynamik.

Ökonomen warnen jedoch auch vor überzogenen Erwartungen. Selbst wenn diese Länder ihr Wachstumspotenzial voll ausnutzen sollten, dürften sie bis zum Jahr 2050 beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf immer noch weit hinter den alten Industrieländern liegen. Daraus schließen Fachleute, dass die „BRIC“-Staaten bei der Entwicklung der Wirtschaftsleistung längst zu einer Aufholjagd gestartet sind; gleichzeitig ist der Wohlstand der Bürger in diesen Ländern jedoch noch nicht stark gewachsen. Das Interesse an „BRIC“-Investmentprodukten ist riesig. So haben die Experten von HSBC Investments vor kurzem die Ausgabe neuer Fondsanteile eines auf diese Staaten zielenden Fonds mit Wirkung zum 30. Juni 2006 bis auf weiteres eingestellt. Das in recht kurzer Zeit erreichte Fondsvolumen von mehr als vier Milliarden US-Dollar erschwere es, signifikante Positionen im Portfolio zu kaufen und zu verkaufen, heißt es dabei zur Begründung.

Inhaber der Fondsanteile können ihre Anteile bei Bedarf jedoch weiterhin jederzeit verkaufen. „Mit dieser Maßnahme stellen wir die hohe Flexibilität der Anlageentscheidungen sicher, um auch zukünftig die gewohnt gute Performance liefern zu können“, sagt Jörg Westebbe, Leiter Intermediary Sales bei HSBC Investments

Emissionsbanken nutzen indes durch die Emission von Zertifikaten das große Interesse an den „BRIC“-Staaten. In der Regel handelt es sich dabei um Produkte, die die Wertentwicklung von Aktienindizes in diesen Ländern reflektieren. Neben der Deutschen Bank ist jetzt auch Goldman Sachs mit einem neuen Produkt an den Markt gekommen. Dieses Zertifikat garantiert das eingesetzte Kapital des Anleger. Das Produkt auf die vier genannten Schwellenregionen ist zusammengesetzt aus einem Korb von vier Basiswerten, der zu jeweils 25 Prozent die Wertentwicklung der folgenden Aktienindizes reflektiert: FTSE Latibex Top Index (Südamerika), Russian Depository Index (RDX), Deutsche Börse India Index (DBIX) und FTSE/Xinhua China 25 Index. Das Zertifikat hat eine Laufzeit von sechs Jahren und wird zu 100 Euro ausgegeben.

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