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OLIVER KÜCH

Vergänglich ist der Mensch und deshalb versucht er Spuren zu hinterlassen: Er pflanzt einen Baum, zeugt ein Kind oder schreibt ein Buch. Bei Letzterem hilft das Internet. Bislang hatte man als Autor ein Problem damit, das Werk zu veröffentlichen. Damit ist es jetzt vorbei, denn beim Buchgroßhändler Libri kann jeder sein Buch per E-Mail veröffentlichen und wird zudem automatisch in den Katalog des Großhändlers aufgenommen.Die Technik heißt Books on Demand (BoD). Das ist ein Druckverfahren, bei dem aus digitalen Daten ein Buch erst dann gedruckt wird, wenn es von einem Kunden verlangt wird. Das Druckverfahren als solches gibt es schon etwas länger. Bisher musste man aber immer in spezielle Druckereien gehen, wo man sich dann sein Buch von Diskette drucken lassen konnte. Seit Anfang Juli bietet Libri unter www.bod.de die nötige Software und eine ausführliche Anleitung zur Veröffentlichung an. Libri ist nach eigenen Angaben der erste Mediendistributor weltweit, der BoD-Bücher für den Buchgroßhandel erschlossen hat. Die in einer Datenbank aufgenommenen Titel können nicht nur in jedem deutschen Buchladen bestellt werden, sondern sind über Internetbuchläden weltweit verfügbar.Um von der Weltöffentlichkeit zur Kenntnis genommen zu werden, muß der Autor das Buch zunächst aber in ein veröffentlichbares Format bringen. Da, nach den Worten von Mark Pohlmann von der zuständigen Internet-Agentur sinner+schrader, die "Wahrscheinlichkeit nicht ganz gering" ist, dass dabei Fehler unterlaufen, findet von Verlagsseite noch eine Layoutüberprüfung aber kein Lektorat statt. Danach werden zwei Probeexemplare gedruckt und dem Autor zugesandt.Erst wenn der Kunde ein Exemplar unterschrieben zurückgeschickt hat, wird das Buch digital veröffentlicht. Das Ganze dauert dann zwar insgesamt rund vier Wochen, aber ist immer noch wesentlich schneller als das etwa viermonatige traditionelle Veröffentlichungsverfahren. Umsonst ist das natürlich nicht: Jede digitale Seite kostet 60 Pfennig und der Einband 100 Mark. "Mit BoD entfällt der Zwang zur Auflage," sagt Jörg Zaag von BoD bei Libri. "Von den wirtschaftlichen Vorteilen und der zeitlich unbegrenzten Verfügbarkeit profitieren auch die Großverlage genauso wie der unentdeckte Hobbyautor, der sich mit dem eigenen Buch einen Traum erfüllt." Fast 100 000 Titel aus dem normalen Bücherangebot von Libri werden fünf Mal im Jahr nachgefragt. Deshalb, so Zaag, sei BoD auch für die Verlagsseite interessant, da enorme Lagerkosten gespart werden könnten.Die Nachfrage übersteigt die derzeitigen Kapazitäten bei Libri. Bei den Büchern handelt es sich nicht nur um Wissenschaftstitel. "Da gibt es alles", sagt Zaag, "vom Gitarrenbau bis zum Buch über The Greatful Dead." Gewisse qualitative Abstriche sind nach Zaags Worten allerdings unvermeidlich. "Niemals", so sagt er, "werden wir damit den Preis des schönsten Buches gewinnen."

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