Zeitung Heute : Stets zu Diensten

Die Hotelbranche boomt – und bietet vielfältige Chancen für alle, die gern mit Menschen zu tun haben

Stefan Jacobs

Wer möchte Claudia Schiffer auf die Dachterrasse begleiten? Wer serviert den Pointer Sisters einen Drink? Wer stimmt das Klavier für Harald Schmidt? Wer organisiert die Pressekonferenz mit Dennis Hopper und Kevin Costner? Wer stellt dem Dirigenten Kent Nagano ein Abendprogramm zusammen? Und wer möchte einfach mal von Julia Roberts für ein Foto in den Arm genommen werden?

Das alles ist machbar, und Geld gibt es auch dafür – sofern man in einem der Berliner Nobelhotels arbeitet, in denen die Stars absteigen. Etwa im „Palace“ am Wittenbergplatz, wo die genannten Promis schon zu Gast waren. Fünf Sterne, 250 Zimmer, 32 Suiten, 2400 Quadratmeter Veranstaltungsfläche, 18 Punkte im Gault Millau fürs Gourmet-Restaurant „First Floor“ – macht einen Personalstamm von 230 Mitarbeitern, darunter 60 Azubis: Köche, Restaurantfachkräfte und vor allem Hotelfachleute. „Ihnen steht nach der Ausbildung die ganze Welt offen“, sagt Hoteldirektor Kurt Lehrke. Die Chancen auf einen Job sind gut – nicht nur anderswo, wie die gute Stimmung auf der ITB zeigt, sondern auch in Berlin mit seinem boomenden Tourismus: Im vergangenen Jahr kamen über elf Millionen Gäste, die beherbergt, bekocht und beraten werden wollten. „Es gibt nur noch wenige Branchen, in denen man weiß, dass man auch in vielen Jahren noch gebraucht wird“, sagt Lehrke.

Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) stimmt in Lehrkes Optimismus ein: 2400 Menschen würden zurzeit im Hotel- und Gastgewerbe ausgebildet, darunter 839 Köche und 613 Hotelfachleute. „Die Tendenz zeigt ganz klar nach oben“, sagt IHK-Bildungsexpertin Anja Nußbaum. Gerade die großen Fünf- Sterne-Hotels bildeten auf hervorragendem Niveau aus: Köche, Hotelfachleute und – in wesentlich geringerem Umfang – auch Hotelkaufleute. Letztere kommen ein wenig aus der Mode, weil ihre stark kaufmännisch geprägte Ausbildung von den überall einsetzbaren Hotelfachleuten verdrängt wird. „Der Hotelfachmann kommt schneller voran“, sagt Lehrke. Sechs gastgewerbliche Ausbildungsberufe gibt es, wobei einfache Arbeiten wie der Zimmerservice eher von Angelernten erledigt werden. Das „Palace“ richte sich im letzten Ausbildungshalbjahr nach den Interessen der Azubis. Übernommen werde aber nur etwa jeder Fünfte – nicht mangels Bedarf, sondern weil von Hoteliers internationale Erfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse erwartet werden. Wer erst einmal herumgekommen ist und gute Zeugnisse mitbringt, ist schon ein gutes Stück weiter auf dem Weg von der Rezeption zur Direktion.

„Sie haben am Start ein relativ geringes Gehalt, aber Sie können auch relativ schnell Karriere machen“, sagt Renate Harnisch, Personaldirektorin im Intercontinental. Etwa 400 Menschen arbeiten in Berlins größtem Fünf-Sterne- Haus. 30 bis 50 Bewerbungen gehen täglich ein. „Wir lieben E-Mail-Bewerbungen“, sagt die Personalchefin, „aber die Form sollte stimmen“. Wer keinen Serienbrief schickt und fehlerfrei schreibt, hat Chancen auch auf ungewöhnlichen Gebieten. So gibt es neuerdings eine E-Commerce-Managerin, die das Dickicht der Reservierungssysteme durchforstet und schaut, wo sich welches Engagement lohnt. Während Köche meist von der Realschule kommen, hätten die meisten Hotelfachleute Abitur. Ein ganz praktischer Grund ist, dass Volljährige auch im Schichtdienst eingesetzt werden können. Deshalb kann ein Realschüler mit anschließendem Au-Pair-Jahr fürs Interconti genauso interessant sein. Er (oder sie, denn in der Hotelbranche haben Frauen ebenso gute Chancen) sollte sich aber im Klaren sein, dass die Arbeitszeiten größtenteils in der Freizeit des Durchschnittsmenschen liegen und dass man in der Hotelbranche die Menschen mögen sollte. „Fehlende Computerkenntnisse können wir jemandem antrainieren; Freundlichkeit nicht“, sagt Harnisch.

Die Ausbildung verläuft im dualen System, also Betrieb und Berufsschule. Hotelfachschulen bauen darauf auf; neben einer Art Meisterprüfung kann man sich dort spezialisieren. So kann der Rezeptionist zum Controler oder Marketingfachmann werden. „Leistungsbereit, offensiv, freundlich und umsichtig“ sollten Bewerber sein, heißt es beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, der im vergangenen Jahr 11970 neue Lehrverträge für Hotelfachleute registriert hat. 300000 Menschen arbeiten im deutschen Beherbergungsgewerbe. Sie arbeiten hart und müssen flexibler sein als andere. Aber dafür brauchen sie sich nicht um ihre Zukunft zu sorgen.

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