Steuersenkungen : Curry mit Majo

Helmut Schümann

Guido Westerwelle machte dieser Tage eine interessante Rechnung auf. Pro Kopf seien an Steuersenkungen 3,10 Euro vereinbart. „Das ist eine Currywurst mit Majo, (Bäh! Igitt! Anm. d. Red.) „ohne Pommes.“

Die gewöhnliche Currywurst ist mit rohen Fleischbestandteilen gefüllt, also die mit Darm, es gibt auch welche ohne Darm. In der mit sollte sich fein gemahlenes Schweine-, manchmal auch Rindfleisch befinden, gepökelt, geräuchert. Zumindest ist es in Berlin so. Im Ruhrgebiet ist es anders. Westerwelle ist gebürtig aus Bad Honnef. Das ist zwar nicht das Ruhrgebiet, aber es ist Nordrhein-Westfalen, und dort sind die Currywurst-Gepflogenheiten analog denen des Ruhrgebietes. In dieser Region werden Bratwürste für die Currywurst verwendet. Bratwürste heißen nicht so, weil sie gebraten werden. Eigentlich müssten sie Brätwürste heißen, weil in ihnen Brät ist, d. i. klein gehacktes Fleisch. Es gibt feine Brätwürste, in denen steckt teures Kalbfleisch (wir kommen später auf Westerwelle zurück) und auch manchmal Rindfleisch. Beides wird gekuttert und widerspricht der Metzgerordnung vom 7. April 1489: „Die bratwurst sol man allein von schwynen flaisch machen by peins eins gulden“. Was heißt, dass bei Zuwiderhandlung und Missbrauch eine Strafe von einem Gulden gezahlt werden muss. Ob Brat- oder Brühwurst, zur Currywurst werden beide erst durch Zugabe mehr oder weniger scharfer Saucen, Curry sollte unbedingt darin enthalten sein, es kann zusätzlich auch Cayennepfeffer untergemischt werden oder zuvor zerstoßene Chilischoten. Den Steuersenkungen ist es im Übrigen völlig egal, ob die Currywurst nun in Berlin oder in Hamburg erfunden wurde, die einen sagen so, die anderen sagen so.

Im Durchschnitt ist eine Currywurst bundesweit für 2,30 bis 2,50 Euro an der Bude zu haben. Es gibt auch Gourmettempel, in denen Bratwurst mit Blattgold zu bekommen ist. Möglicherweise erklärt das den exorbitanten Westerwelleschen Preisanstieg: Der Mann isst seine nordrhein-westfälische Currywurst mit Blattgold, „macht 3,10 Meister, aber Pommes könnse dafür nich haben, beim besten Willen nich, aber dafür glänzt sie so schön“.

Majo, also Mayonnaise, als fetter Schlag zur Currywurst, findet sich allerdings nirgends in der reichhaltigen Currywurstliteratur. Wer Curry-, gleich ob -brüh- oder -brätwurst mit Majo vermatscht, muss schon ein extremliberaler Kulinariker sein. Oder völlig verkümmerte Geschmacksnerven haben. Oder einfach auch nur keine Ahnung.Helmut Schümann

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