Zeitung Heute : Stiften und sparen

Susanne Kippenberger

Wie eine Westberlinerin die Stadt erleben kann

Aus, vorbei, seit gestern ist mein Urlaub zu Ende. Und das ist gut so. Ferien sind nämlich äußerst gefährlich für mich. Nicht, dass ich mir dann die Beine breche, ich fahre weder Ski noch segle ich von Felsen und schlafe lieber gemütlich im Bett als im Wüstenzelt. Schließlich will ich mich ja erholen, und das tue ich auch, in den Hügeln von England und Wales, zwischen Kühen und Schafen, Rosen und Bäumen, eine Wohltat für Beine und Kopf. Ein paar Tage, und alle irdische Last fällt ab von mir. Das ist der Moment, wo es gefährlich wird: Wenn ich das Gefühl habe, selig zu schweben. Auf dem Land macht das nichts, bei Kühen kann man nichts kaufen. Aber wehe, Wanderer, du kommst in die Stadt. Ganz entspannt schwebe ich dann durch die Läden. Da bekommt Geld so etwas Irreales.

Wenn ich arbeite, habe ich unter der Woche zum Shoppen keine Zeit und am Wochenende keine Lust, da kaufe ich nur ein, was man zum Leben so braucht, Waschpulver und Käse. Bei der Freizeitgestaltung halte ich mich jetzt erst einmal an die Devise „Umsonst und draußen“. Und wenn ich Sehnsucht nach England kriege, gehe ich zum Olivaer Platz und gucke mir dort den Staudengarten an, eine Oase im Verkehr, mit Astern und Wolfsmilch, Storchschnabel und Rutenhirse und hohen Gräsern, die man sonst nirgends sieht. Direkt an der Bushaltestelle liegt dieser schöne Mini-Park, ehrenamtlich und mit Sponsorengeldern angelegt und gepflegt. Vom Doppeldecker aus hat man einen besonders schönen Blick.

Am Wochenende habe ich mir noch in der „Tate Britain“ eine Ausstellung über die „Kunst des Gartens“ angeguckt, Eintritt: 14 Euro. In London, wo eine Einzimmerwohnung so viel kostet wie eine Villa in Grunewald, dachte ich, gibt’s ja Geld genug. Aber als ich auf der Toilette meine Hände wusch, fiel mein Blick auf die Tür; dort stand in großen Lettern, dass das Museum auf Wohltäter angewiesen sei – und dass das Toilettenpapier von einem anonymen Sponsor gestiftet worden sei. Von England lernen heißt gärtnern und stiften lernen: Werden Sie Garten-Mäzen am Olivaer Platz. Dort wird auf einem Schild auch Ihr Name genannt.

Spenden „Kurfürstendammgräser“, Berliner Volksbank 5865428008, BLZ 100 900 00.

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