Zeitung Heute : Stillgelegte Landebahnen

Das Luftwaffenmuseum hat in Gatow ein Domizil gefunden

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Mit dem Abzug der Briten hat die Bundesluftwaffe 1994 die Osthälfte des riesigen Areals zwischen Kladower Damm und Potsdamer Chaussee übernommen. Doch obwohl die Landebahnen des Flugplatzes Gatow anschließend stillgelegt wurden, parkt hier die größte Flugzeugflotte der Bundeswehr. Nur in die Luft gehen die 138 Maschinen nicht mehr. Neben dem Kommando der 3. Luftwaffendivision und anderen Einheiten hat in der GeneralSteinhoff-Kaserne das Luftwaffenmuseum sein neues Domizil gefunden.

Etwas weiter westlich, am Ritterfelddamm, geht die Entwicklung nur zögerlich voran. Die für zuziehende Ministerialbeamte geplante Landstadt Gatow erwies sich als Flop, denn die Bonner blieben aus. Edmund-Rumpler-, Rex-Waite- und Umberto-Nobile-Straße haben eines gemeinsam. Fahrbahnen und Gehwege sind längst fertig gestellt und die funktionierende Beleuchtung wurde erst nach massiven Protesten von Bezirkspolitikern wieder abgeschaltet. Denn hier wohnt niemand. Der zweite Bauabschnitt der Landstadt mit seinen 20 leeren Baufeldern ist eingezäunt und wirkt aus der Luft mit seinem akkuraten Straßennetz zwischen den Wiesen wie ein gigantischer Verkehrskindergarten. Auch darunter – im ersten Abschnitt sind acht der 26 Baufelder unberührt – finden sich auf dem Rest nur einzelne Gebäude. Ende 1999 wurde das erste Richtfest gefeiert, doch von den 1200 geplanten Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern steht bisher nur etwa ein Zehntel.

Ursprünglich war die Landstadt Kern des „Wohnraumversorgungskonzeptes“ für die nach Berlin umziehenden Bundesbediensteten und sollte für rund 3300 Menschen zur neuen Heimat werden. Rund 100 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln wurden in die Infrastruktur investiert, Gymnasium, Grundschule und Kindertagesstätte sind längst fertiggestellt. Um den Neuspandauern die Identifikation zu erleichtern, hat der Bezirk extra die Ortsteilgrenzen verschoben und die Landstadt Gatow dem näher liegenden Kladow zugeschlagen. Längst werden Häuser und Grundstücke auf dem freien Markt angeboten, doch auch hier ist das Interesse gering. So sind wegen akuten Kundenmangels auch alle Investoren für das geplante Nahversorgungszentrum wieder abgesprungen.

Gleich nebenan kann sich Oberstleutnant Harald Potempa nicht beklagen. Für 22,5 Millionen Euro wird das von ihm geleitete Luftwaffenmuseum bis 2010 in drei Stufen ausgebaut. Mit dem Umzug aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen konnte der Flugzeugpark um die Bestände der DDR-Luftstreitkräfte und neuere Exponate der Bundeswehr erweitert werden.

Man befindet sich an einem geschichtsträchtigen Ort. 1935 als Luftkriegsschule der Wehrmacht eröffnet, war 1945 die spätere Sexartikelhändlerin Beate Uhse die letzte Pilotin, der von hier aus die Flucht von dem von der Roten Armee umstellten Flugplatz gelang. Ab dem 1. August 1945 wurde der Flughafen in „Royal Air Force Station Gatow“ umbenannt. Während der Luftbrücke 1948 / 49 landeten hier 87 841 Transportflüge mit 491 637 Tonnen Versorgungsgütern. 50 000 West-Berliner, darunter Kranke, Schwache und Kinder, wurden ausgeflogen.

Über eine halbe Million Menschen haben seit 1995 die noch vorläufigen Ausstellungen des Luftwaffenmuseums bei bisher freiem Eintritt besucht. Als aktuelle Sonderausstellung werden hier zurzeit unter dem Motto „Zwischen Adler und Taube“ auch „Beispiele der Bildersprache in den deutschen Luftstreitkräften seit 1884“ gezeigt. Im kommenden Frühjahr wird der Neubau des eingestürzten Hangars 8 fertig gestellt. Er wird die bisher in der Depothalle eingelagerten Maschinen übernehmen. Nach der Restaurierung dieses Gebäudes beginnt der Umbau der Hangars 5 und 6 zu weiteren Ausstellungsräumen. Erst dann können alle Exponate gezeigt werden. Doch schon heute lohnt sich ein Besuch. du-

Das Museum ist dienstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr (letzter Einlass 16 Uhr) geöffnet (Zufahrt über Groß-Glienicker-Weg, Bus 134 oder X 34 bis Alt-Gatow / Groß-Glienicker-Weg, dann Bus 334) .

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