Zeitung Heute : Stolpersteine auf dem Königsweg

In ein Gesetz zur Kraft-Wärme-Kopplung haben sich zwei kleine Fehler eingeschlichen – mit weit reichenden Folgen

Roland Knauer

Bis zum Jahr 2010 sollen Deutschlands Schornsteine jährlich rund zwanzig Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger in die Luft pusten – wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. Zurzeit aber sieht es so aus, als ob dieses Ziel deutlich verfehlt wird. Eine wichtige Ursache dafür sind zwei anscheinend kleine „Fehler“ in einem Gesetz zur „Kraft-Wärme-Kopplung“, denn die haben weit reichende Konsequenzen. Dabei könnten zwei minimale Eingriffe in das Gesetz den Fehler beheben und beim Erreichen des Klimaschutzziels helfen, meint Michael Geißler von der Berliner Energieagentur.

Eine solche geringfügige Änderung des Gesetzes kaum ein Jahr nach dem In-Kraft-Treten ist sinnvoll, weil die „Kraft-Wärme-Kopplung“ in Ländern wie Deutschland als einer der Königswege beim Sparen von Energie und damit der Reduzierung des Treibhausgases Kohlendioxides gilt. Denn vierzig Prozent der hierzulande verbrauchten Energie heizt Wohnungen und wärmt Wasser.

Zwar gibt es inzwischen Heizkessel, die Öl und Gas erheblich besser als alte Modelle in Wärme verwandeln. Noch höher aber ist der Wirkungsgrad einer Anlage, wenn sie neben Wärme auch noch Strom erzeugt. Zwar liefert eine solche „Kraft-Wärme-Kopplung“ etwas weniger Heizenergie als gute herkömmliche Kessel. Diesen Verlust aber gleicht der ebenfalls gelieferte elektrische Strom bei weitem wieder aus. Für Mehr-Familien-Häuser, Hotels, Schulen oder Krankenhäuser sind daher kleine, Blockheizkraftwerke genannte Anlagen vor Ort die beste Alternative, weil sie neben Wärme auch noch Strom liefern, der sonst aus dem öffentlichen Netz gekauft werden müsste. Sie stellen Strom und Wärme auf den tatsächlichen Bedarf zugeschnitten kostengünstig zur Verfügung.

Allerdings liefert ein Blockheizkraftwerk auch dann noch Strom, wenn zwar um vier Uhr morgens noch Heizenergie benötigt wird, aber kaum Strom durch elektrische Geräte und Energiesparlampen fließt. Um eine solche Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, müsste man diesen überschüssigen Strom zu einem angemessenen Preis an das örtliche Energieversorgungsunternehmen verkaufen können.

Zuschuss vom Staat

Genau das soll das Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung garantieren. Der Energieversorger zahlt die so genannte Einspeisevergütung, die vor der Einführung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes zwischen 3,5 und 4,5 Cent pro Kilowattstunde lag. Obendrein erhalten kleine Anlagen mit weniger als fünfzig Kilowatt elektrischer Leistung pro gelieferter Kilowattstunde vom Staat einen Zuschuss von 5,11 Cent, größere Anlagen bekommen einen geringeren Zuschuss. Auf den ersten Blick scheint das Gesetz also ein gute Voraussetzung für die kurz KWK genannten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu schaffen.

Die aktuellen Zahlen aber sprechen eine ganz andere Sprache: Kleine Anlagen bis fünfzig Kilowatt verzeichnen einen leichten Aufschwung, der Bau mittlerer Anlagen mit weniger als zwei Megawatt stagniert und größere Einheiten werden praktisch nicht mehr gekauft. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, wird die Kraft-Wärme-Kopplung statt der geplanten zehn Millionen Tonnen nur drei bis vier Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß ersparen“, schätzt Michael Geißler. Vielen Herstellern von KWK-Anlagen droht gleichzeitig die Pleite, einige Tausend Arbeitsplätze sind gefährdet.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die Struktur der deutschen Elektrizitätswirtschaft: Der Weg zwischen Kohleflöz oder Erdöllagerstätte und Steckdose wird von den großen Energieunternehmen dominiert. Die kleinen dezentralen Blockheizkraftwerke konkurrieren mit den großen Kraftwerken, die aber den Strom dieser Konkurrenz kaufen sollen. Als das KWK-Gesetz in Kraft trat, sanken daher plötzlich die Einspeisevergütungen der verschiedenen Energieversorger in einem Rhythmus, der ein wenig an die parallelen, aber nicht abgesprochenen Erhöhungen der Spritpreise bei verschiedenen Tankstellenketten erinnert. Statt 3,5 bis 4,5 Cent pro gelieferter Kilowattstunde zahlen die Netzbetreiber zur Zeit nur noch 1,5 bis 2,5 Cent für eine Kilowattstunde aus der Kraft-Wärme-Kopplung. Solche Preise aber rechnen sich für den Besitzer eines Mehrfamilienhauses oder einer Schule kaum noch.

Obendrein weiß niemand, wie lange der Staat die Kraft-Wärme-Kopplung überhaupt bezuschusst. Auf Druck der großen Energieversorger hat die Regierung nämlich eine „Notbremse“ eingebaut, die letztendlich einen großen Erfolg des Gesetzes verhindern wird: Sobald insgesamt mehr als elf Terawattstunden elektrischer Strom in geförderten KWK-Anlagen erzeugt wurde, entfällt der staatliche Zuschuss.

Rückschlag für den Ausbau

Eine solche Notbremse begrenzt zwar die Fördersumme, die von allen Haushalten über die Stromrechnung in einem Umlagesystem bezahlt wird. Dem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung aber schadet sie enorm. Solche Anlagen laufen normalerweise mindestens fünfzehn Jahre. Und sie rentieren sich nur, wenn über den größten Teil die zu Beginn zugesagten Zuschüsse gezahlt werden.

Zwei „minimal-invasive“ Eingriffe könnten die erhoffte Wirkung des KWK-Gesetzes retten, vermutet Michael Geißler: Ähnlich wie im Energie-Einspeise-Gesetz von 1999 müsste den Betreibern von kleinen Blockheizkraftwerken im Gesetz eine feste Einspeisevergütung garantiert werden, mit der sie rechnen können. Und zumindest für Anlagen die vor Erreichen der „Elf-Terawatt-Obergrenze“ gebaut werden, müsste die Einspeisevergütung für mindestens zehn Betriebsjahre sicher kalkulierbar sein.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben