STORIESHelge Timmerberg liest „Der Jesus vom Sexshop“ : Helge und wie er die Welt sah

Jörg W erD

Sein Vater war Fernfahrer, seine Mutter arbeitete in einer Autobahnraststätte: kein Wunder, dass es auch Helge Timmerberg in die weite Welt hinauszog. Dennoch war es ein langer Weg von seinem nordhessischen Geburtsort Dorfitter bis in die Rocky Mountains, wo Helge Timmerberg in den Achtzigern einem seiner Helden begegnet ist. Der reiselustige Schreiber, damals im Auftrag des Magazins „Tempo“ unterwegs, war zwar nicht der Einzige, den Hunter S. Thompsons furioses Roman-Drogendelirium „Angst und Schrecken in Las Vegas“ begeistert und nachhaltig im literarischen Werdegang beeinflusst hat. Aber nur wenige sind der waffenvernarrten Reporterlegende so nah gekommen. Die turbulente Begegnung mit dem launischen Einsiedler ist nur eine von über zwei Dutzend Geschichten, die er aus seiner langjährigen Tätigkeit für renommierte Zeitschriften und Tageszeitungen in seinem neuen Buch „Der Jesus vom Sexshop“ kompiliert hat.

Timmerberg ist immer dann am besten, wenn er sich dem Gegenstand oder den Protagonisten seiner Reisereportagen mit einer Mischung aus Sympathie und Verwunderung nähert. So gelingen ihm präzise Studien im Milieu der Muay-Thai-Kämpfer in Bangkok, der Goldgräber im Amazonasgebiet oder von Rikschafahrern in Neu-Delhi. Und auch der titelgebende Sexshop wird samt Betreiber und Kundschaft mit einfühlsamer Beobachtungsgabe porträtiert. Gelegentliche Anwandlungen von Eitelkeit verzeiht man ihm gern, weil er zwei Zeilen weiter durchaus zur Selbstironie fähig ist und mit den kleinen und großen Tollpatschigkeiten und Pleiten seiner globetrottenden Abenteuer nicht hinterm Berg hält.Jörg Wunder

Bar jeder Vernunft, Mo 29.3., 20 Uhr, 19,50 €

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