Zeitung Heute : Stornos der Jungmillionäre

Vor dem 11. September 2001 verging fast keine Woche, ohne dass eine Luxushotelgruppe irgendwo auf der Welt ein neues Haus eröffnete oder eine Neubauplanung bekannt gab. Seit den Terroranschlägen in den USA ist es in der Branche deutlich ruhiger geworden. In vielen 5-Sterne-Tempeln haben die Gäste jetzt noch mehr Platz als sonst. Im legendären Hotel des Bains in Venedig sah man kürzlich tagsüber sehr, sehr viele Schlüssel am Portiersbrett hängen. Auch in London, Paris oder Rom sind die Nobelhotels derzeit schlecht gebucht.

Dass der Boom der internationalen Luxushotellerie vorbei ist, liegt aus Sicht der "Leading Hotels of the World" allerdings nicht allein an dem Schock, der durch die Anschläge ausgelöst wurde oder an der dadurch verursachten Angst vorm Fliegen. Bereits zuvor habe die Expansion der exquisiten Ketten ihren Höhepunkt überschritten, sagte Welf J. Ebeling, Vizepräsident der "Leading Hotels" mit Sitz in New York, in einem gms-Gespräch.

Boutiquehotels immer beliebter

Die weltweite Luxushotellerie habe sich schon vor einiger Zeit auf einen konjunkturellen Abschwung eingestellt, so Ebeling. Dazu gehörte auch die Einschätzung der einst ebenfalls boomenden "New Economy" als kurzlebiger Markt: "Wir hatten sehr viele Jungmillionäre, die ihren persönlichen Erfolg auch dadurch zeigten, dass sie in besseren Hotels abstiegen." Dieser Kundenstamm fällt nun zum Teil weg. Die Gästebasis der Luxushotellerie sei aber so breit, dass sich die Häuser rasch wieder von der momentanen Flaute erholen dürften: Die Klientel, die in Häuser wie das Vier Jahreszeiten in Hamburg oder das Peninsula in New York eincheckt, müsse zumeist aus geschäftlichen Gründen ohnehin reisen und werde dabei weiterhin in gehobenen Häusern absteigen und sich nicht mit einer niedrigeren Kategorie zufrieden geben. Ebeling sieht die internationale Luxushotellerie vor einer Phase der Konsolidierung: Begonnene Projekte werden vollendet, neue jedoch unter anderen Vorzeichen gesehen. Außerdem würden vermutlich Häuser, die finanzielle Nöte haben, verstärkt aufgekauft werden. Zugleich werde sich die Dynamik auf dem Nischenmarkt der kleinen Boutiquehotels verstärken. Generelles Ziel der führenden Hotels müsse es jetzt sein, nicht die Preise zu senken, um neue Kunden zu gewinnen und alte zu halten, sondern "mehr Leistung für das gleiche Geld zu bieten". Auch in Deutschland gebe es Hotels, die bei ihrem Dienstleistungsangebot "nicht mehr das halten, was sie dem Namen nach versprechen".

Derzeit gehören den "Leading Hotels of the World" 407 Häuser an. Obwohl die Vereinigung immer größer wird, gebe es weiter viele "weiße Flecken" auf der Landkarte, sagt Ebeling. Dazu gehörten unter anderem der Mittlere Westen der USA, mehrere Länder in Südamerika und Afrika sowie in Europa vor allem Rumänien und Bulgarien. Auch im Nordwesten der USA sei mit dem "Elliott Grand Hyatt" in Seattle erst vor kurzem ein Haus eröffnet worden, das die "Leading"-Kriterien erfüllt.

Bei der Ausstattung der Luxushotels stehe seit dem 11. September die persönliche Sicherheit der Gäste an erster Stelle, so Ebeling. Daneben spielten in den kommenden Jahren auch der weitere Ausbau der Wellness-Angebote und der Kommunikationsmöglichkeiten eine große Rolle. Auch in älteren Hotels müssten Laptopanschlüsse in den Zimmern und mehrsprachige TV-Programme Standard werden. Die Fernseher würden dabei abgelöst von "interaktiven Kommunikationszentren, die den Gast mit der Welt verbinden".

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