Strahlung : Faktor X

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat zu besserem Schutz vor natürlicher Strahlung aufgerufen. Es wird sogar erwogen, Kindern und Jugendlichen den Besuch von Solarien zu verbieten. Wie gefährlich sind ultraviolette Strahlen für Menschen?

Dagmar Dehmer
Sonne
Ultraviolette Strahlen, wie sie die Sonne abgibt, werden häufig unterschätzt. -Foto: ddp

Die am meisten unterschätzten schädlichen Strahlen sind ultraviolette Strahlen – UV-A und UV-B –, die die Sonne abgibt, die aber auch in Solarien eingesetzt werden. Das sagte der Chef des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichts 2007. Die Zahl der Hautkrebserkrankungen in Deutschland hat sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Jährlich erkranken nach Königs Angaben rund 140 000 Menschen in Deutschland neu daran. Etwa 3000 Menschen sterben jährlich am gefährlichsten, dem schwarzen Hautkrebs. Die Zahlen hat die Strahlenschutzkommmission auf der Basis der Daten der Krebsregister in Schleswig-Holstein und dem Saarland errechnet. König forderte: „Sonnenschutz muss so selbstverständlich werden, wie den Sicherheitsgurt im Auto anzulegen.“ Das gelte vor allem für Kinder und Jugendliche. 80 Prozent der gesamten UV-Bestrahlung finde bis zum 18. Lebensjahr statt, sagte er.

Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt deshalb, Kinder unter zwei Jahren überhaupt nicht der direkten Sonne auszusetzen. Den besten Schutz vor UV-Strahlung biete Kleidung, zum Beispiel ein Hut und langärmelige Hemden. Die Mittagszeit sollte man besser im Schatten verbringen, rät das BfS. Und beim Eincremen mit Sonnenschutzmitteln solle man nicht geizig sein, einen hohen Lichtschutzfaktor wählen und „Sonnenterrassen“ wie Ohren, Nase und Fußrücken nicht vergessen. Von mehr als 50 Sonnenbädern im Jahr rät das BfS ab, denn übertriebenes Sonnenbaden könne zu „vorzeitiger Hautalterung und Hautkrebs“ führen. Vor allem die UV-A-Strahlung dringe tief in die Haut ein, trockne sie aus und zerstöre das Bindegewebe. „Dadurch verringert sich die Elastizität der Haut, wodurch Falten und ein ledriges Aussehen entstehen“, heißt es beim BfS.

Das BfS und das Umweltbundesamt messen seit 1993 an vier Messpunkten in Deutschland – Zingst an der Ostsee, Langen bei Frankfurt am Main, Schauinsland im Südschwarzwald und Neuherber bei München – die UV-Strahlung. Täglich veröffentlich das BfS auf seiner Homepage die aktuellen Werte des UV-Index. Je höher der UVI, desto größer das Risiko für einen Sonnenbrand. In Berlin liegen diese Werte im Schnitt von Mai bis August zwischen fünf und sieben. Ab einem UVI von drei rät das BfS zu einem Sonnenschutz. Besonders hoch ist der UVI rund um den Äquator. In Bangkok beispielsweise liegt er im ganzen Jahr nie unter acht, dem Wert, den das BfS als „gefährlich“ einschätzt. Das heißt: Ein Sonnenbrand entsteht in weniger als 20 Minuten.

Weil insbesondere Kinder und Jugendliche vor übertriebener Sonnenbestrahlung geschützt werden müssten, plant die Bundesregierung ein Nutzungsverbot von Solarien für Kinder und Jugendliche. Die Regelung ist Bestandteil des Umweltgesetzbuches, das „noch in dieser Legislaturperiode“ beschlossen werden soll, wie Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch sagte. Dieser Teil des Gesetzeswerkes sei „im Kabinett unbestritten“. In Frankreich, Spanien, Portugal, Schweden und Finnland gibt es bereits ein Solarien-Verbot für Kinder und Jugendliche. Ein weiterer Bestandteil des Gesetzes sollen Vorgaben für Solarien sein, um die Höchstleistung der Lampen zu begrenzen und Sicherheitsstandards vorzugeben. Denn von der freiwilligen Zertifizierung, die über das BfS seit 2003 möglich ist, hätten bis zum 15. Februar 2008 gerade mal 209 von insgesamt rund 5000 Studios Gebrauch gemacht.

König wies zudem darauf hin, dass zum 1. Juli 2008 eine neue Vorsorgeuntersuchung eingeführt worden ist. Die Krankenkasse bezahlen seither alle zwei Jahre eine Hautkrebsvorsorgeuntersuchung für alle Menschen über 35 Jahren.

Der BfS-Chef sprach von einem „Auseinanderfallen“ realer Risiken, wie ultravioletter Strahlung, und der Risikowahrnehmung, zum Beispiel beim Mobilfunk. Gegen Sendemasten hätten sich große Bürgerinitiativen gegründet, obwohl es bisher keine wissenschaftlichen Hinweise auf Schädigungen gebe.

Auch das Edelgas Radon ist aus Königs Sicht eines der „unterschätzten Risiken“, wenn es um natürliche Strahlung geht. Vor allem in früheren Bergbaugebieten in den Mittelgebirgen vom Schwarzwald über den Harz bis zum Allgäu kommt Radon in der Luft und im Boden vor. Besonders betroffen sind die früheren Bergbauregionen in Thüringen und Sachsen. Über die Auswertung der Daten der früheren Uranarbeiter, die bei dem DDR-Bergbauunternehmen Wismut beschäftigt waren, hat das BfS nachgewiesen, dass das Risiko von Lungenkrebs deutlich steigt, wenn Menschen Radon ausgesetzt sind. Bei rund 1900 Lungenkrebstoten im Jahr – das ist etwa die Hälfte aller Sterbefälle aufgrund von Lungenkrebs – gibt es einen Zusammenhang mit dem radioaktiven Edelgas, sagte König. Vor allem in Kellern könne sich Radon ansammeln.

Eine Abdichtung, die das Eindringen des Gases verhindern könne, sei bei Neubauten für 2000 bis 3000 Euro zu haben, und auch bei Altbauten „noch bezahlbar“, meinte König. In deutschen Wohnungen liegt die durchschnittliche Radonkonzentration bei 49 Bequerel pro Quadratmeter. Einen ungefährlichen Grenzwert gibt es nicht. Übrigens steigt das Lungenkrebsrisiko für Raucher, die Radon ausgesetzt sind, nicht wesentlich an. Es ist für Raucher wie Nichtraucher etwa gleich hoch. Auch das hat die Auswertung der Uran-Bergarbeiterstudie gezeigt.

Hinweise zum UVI-Strahlungsindex:

www.bfs.de/uv/uv2/uvi

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