Zeitung Heute : Strandurlaub

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Ich stehe nackt im Sand. Mitten in Berlin. Man kann von hier den Fernsehturm sehen. Etwas seltsam fühlt sich das schon an. Ich bin ja gewöhnlich nicht der Typ, der sich in aller Öffentlichkeit entblättert. Aber nach meiner ersten Strandvolleyball-Stunde in BeachMitte konnten wir zu Hause, in meiner neuen WG überall Sandburgen bauen. Das kam nicht so gut an.

Also stelle ich mich jetzt nach dem Spiel nackt unter den Gartenschlauch, ganz wie die alten Hasen hier. Hinter mir hat sich bereits eine lange Warteschlange von schweißverklebten, sandigen Nackedeis gebildet. Sie sehen aus wie Vanillekipferln.

Mein Kumpel Tobias zieht unterdessen noch Spielfeld 22 mit einem Rechen glatt, damit die nächsten Mannschaften nicht in die Krater stürzen, die unsere wilden Spielzüge in den Sand gerissen haben. Wir haben gekämpft wie die Löwen, sind mit 8:0 davon gezogen, haben in der Schlussphase noch einmal richtig Gas gegeben. Am Ende stand es 8:11 für die Gegner. Aber egal, wie bescheuert man sich dabei anstellt, Strandvolleyball macht süchtig.

Beim ersten Mal war ich ja noch etwas eingeschüchtert. Stolze Athleten mit braugebrannten Luxuskörpern sind am Mitte-Strand klar in der Überzahl. Doch auf einigen Spielfeldern habe ich auch schmalbrüstige Bürohelden mit blasser Haut sowie tapsige Freaks mit verwilderten Mähnen erspäht. Und nach einer Weile deckt der Sand gnädig alle ästhetischen Unterschiede zu. Ich fasste neuen Mut.

Inzwischen haben Tobias und ich sogar einen Blick für die taktischen Feinheiten des Spiels entwickelt: Nach den Regeln dürfen beim „Beachen“ (so sagen Kenner zu Strandvolleyball) jeweils nur zwei Leute in einer Mannschaft spielen. Das macht die Sache tierisch anstrengend. Clevere Teams stellen sich zu sechst auf – und sparen sich die Lauferei. Diese Strategie wollen wir nun übernehmen.

Es geht jedoch nicht nur um Taktik und Punkte, hier im Sand. Wir kommen auch, um unter den Sonnenschirmen an der Bar Bier zu trinken und Würste vom Grill zu futtern. Der perfekte Urlaub! Die Popmusik aus den Lautsprechern, der Duft nach Sonnenöl und Grill, die Mädchen in den Bikinis, der Smalltalk – alles wie am Strand am Mittelmeer. Nur das Meer muss man sich vorstellen. Und was mich schmerzt: Ich kriege noch immer keine Wurst! „Wenn die hier einen zweiten Grill aufstellen würden, könnten sie ihren Umsatz locker verdoppeln“, ereifere ich mich. Tobias lächelt vielsagend. Er lebt schon etwas länger in Berlin. Manche Dinge dauern in dieser Stadt eben länger.

Das Beachen kann man in Berlin aber sehr schnell lernen. Tobias und ich haben Fortschritte gemacht. Vergangene Woche mussten wir noch auf Feld 24 spielen. Das war ganz hinten links. Gestern bekamen wir bereits Spielfeld 22 zugeteilt. Da steckt bestimmt System dahinter! Auf Feld 1 beachen nämlich immer die Superstars. Wenn meine Berechnungen stimmen, kann es nur noch zehn Wochen dauern, bis wir Feld 2 erreicht haben. Wir sind auf einem guten Weg, der Tobias und ich. Till Hein

BeachMitte, Chausseestr. 96, U-Bhf. Schwartzkopffstraße, Mo - Fr 14 bis 23 Uhr, Sa/So 9 bis 23 Uhr, Tel. 0177-280 68 61, www.beachmitte.de

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