Zeitung Heute : Strategie mit Köpfchen

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Von Markus Feldenkirchen

Das ist eine undankbare Konstellation für den Kanzler. Alle paar Wochen wird sein Konkurrent Edmund Stoiber nun einen Kandidaten für sein Kompetenzteam präsentieren und dem Kanzler sind die Hände gebunden. Er muss stumm im Kreis seines Kabinetts sitzen und zuschauen. Er kann keine neuen, unverbrauchten Kandidaten vorstellen, weil das zugleich ein Eingeständnis wäre, dass seine aktuelle Regierungsmannschaft Schwachstellen hat. Und das ist im Wahlkampf besonders ärgerlich.

Weil Schröders Zuschauerqualitäten aber unterentwickelt sind, ging er selbst in die Offensive – auch wenn er dabei vorerst nur auf das vorhandene Personal zurückgreifen kann. Er will dem Stoiberschen Kompetenzteam seine drei Lieblingsminister entgegensetzen: Schröder hebt also Otto Schily, Hans Eichel und Joschka Fischer auf das Silbertablett und glaubt, in diesen drei Herren mehr Kompetenz zu vereinen als Stoiber in einem ganzen Team.

In der Tat sind die drei für Schröder immens wichtig. Finanzminister Eichel ist das Signum für die ganze Regierungsbilanz. Wenn es ein konstantes Motiv für Schröders Kanzlerschaft gibt, dann dieses: Sparen, um den Staat wieder handlungsfähiger zu machen. Gerade in der Auseinandersetzung mit Stoiber, dem die SPD nun unseriöse Wahlversprechen zu Lasten des Haushalts vorwirft, ist das seriöse Image Eichels hilfreich.

Mit Innenminister Schily ist der Kanzler zudem auf der rechten Seite gut geschützt. Auch wenn der Senior im Kabinett vielleicht keine vier Jahre mehr mitregieren wird, ist dessen Sicherheitsgarantie im Wahlkampf unverzichtbar. Wie wichtig, zeigt auch, dass Schily dieses Mal auf Platz eins der bayerischen Landesliste kandidieren darf.

Fischer steht für Stabilität

Auf das Ansehen Joschka Fischers kann der Kanzler gleich in doppelter Hinsicht setzen. Fischer rangiert nicht nur in nationalen Umfragen ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Auch im Ausland hat sich der Außenminister großes Renommee erworben. Zudem hat Fischer die Koalition in gleich zwei Kriegen zusammenzuhalten. Fischer steht dafür, dass Rot-Grün stabil bleiben kann.

Warum der Kanzler jedoch neben den drei Vorzeigeministern auch Edelgard Bulmahn und Heidemarie Wieczorek-Zeul unter der Kategorie „Machen einen guten Job“ eingeordnet hat, will vielen in der SPD nicht einleuchten. Der Fraktionsvorsitzende Peter Struck etwa kritisiert schon lange, dass Bulmahn ihre Politik auf dem so wichtigen Feld von Forschung und Innovation nicht offensiv genug verkaufe. Andererseits hat sich Bulmahn als Pragmatikerin auf dem Zukunftsterrain der Biotechnologie erwiesen. Schließlich will Schröder, der im Vergleich mit Stoiber bei den weiblichen Wählern vorne liegt, seinen Frauen-Bonus nicht verspielen.

Auch wenn Vize-Regierungssprecher Anda am Dienstag eilig nachschiebt, ein Lob für die einen Minister bedeute kein Weglassen der anderen: Einige dieser anderen werden sich nach dem 22. September wohl einen neuen Job suchen. Dass Wirtschaftsminister Müller keine Legislaturperiode mehr anhängen will, ist bekannt. Gesundheitsministerin Schmidt gilt nicht nur in Fraktionskreisen als „grenzenlos überfordert“ und daher als „absolute Fehlbesetzung“. Und dass der taumelnde Scharping nur noch bis zum Wahltag im Regierungsteam bleiben darf, gilt ebenfalls als sicher. Hört man sich in den Reihen der SPD nach einem geeigneten Nachfolger um, fallen stets die n der beiden Hamburger Hans-Ulrich Klose und Henning Voscherau. Allerdings drängen beide nicht unbedingt auf einen Posten im Kabinett.

Zudem würde Schröder gern ein paar Nachwuchskräfte ins Team holen. Der Hamburger Olaf Scholz und die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Ute Vogt rangieren ganz oben auf der Wunschliste. Auch der Brandenburger Matthias Platzeck gilt als ministrabel. Nur werben darf Schröder mit den neuen Namen vorerst nicht.

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