Zeitung Heute : Strato AG: Harte Worte nach der Panne

Kurt Sagatz

Nach dem Server-GAU bei Deutschlands größtem Webhoster, der Berliner Strato AG, werden nun Schuldzuweisungen ausgetauscht. Bei dem in dieser Größenordnung bis dato einmaligen technischen Problem waren zeitweise alle der rund 1,5 Millionen gehosteten Webpräsenzen nach einem Zusammenbruch des Speichersystems nicht erreichbar. Nicht betroffen waren dieShops sowie die E-Mail-Dienste des Anbieters. Ein Teil der Daten von Internet-Seiten konnte allerdings auch durch die rund sechs Tage dauernden Reparatur-Anstrengungen nicht wiederhergestellt werden. Die Webseiten von rund 7000 Domains vor allem im Strato-Billigsegment der Web-Visitenkarten gingen dabei verloren, wie Sigram Schindler, Vorstandschef der Strato-Mutter Teles jetzt bestätigte.

Erstaunlich ist dabei die Schärfe, mit der Strato nun seinen technischen Partner, KPNQwest, Versäumnisse im Karlsruher Rechenzentrum anlastet. Die Rede ist von einer "haarsträubenden Panne" bei KPNQwest. So sei zwar für die Sicherung der Daten ein Bandgerät zur Erstellung von Bacups angeschafft, aber dann nicht in Betrieb genommen worden, so Schindler in einem Zwischenbericht zum Serverausfall. Ein Wechsel des technischen Partners wurde beim Mutterhaus Teles allerdings ausgeschlossen. KPNQwest habe in Karlsruhe eine beachtliche Infrastruktur aufgebaut und dafür erhebliche Investitionen vorgenommen, lautet die Begründung.

Die technische Ursache für den Zusammenbruch des Speichersystems wird bei der EMC-Technik im Massenspeicher-Subsystem gesehen. So habe unter anderem ein Werkzeug versagt, dass feststellen soll, ob die auf den Festplatten gespeicherten Daten korrekt abgelegt wurden.

Zur Abwendung weiterer Imageschädigungen will Strato als erste Konsequenz nun seine Kunden bei der schnellen Bearbeitung von Schadenersatzansprüchen unterstützen. Am Dienstag wurde dazu auf der Kundenservice-Webseite ein Formular online gestellt, in dem Kunden ihre Schäden "artikulieren" können. Die so gestellten Ansprüche werden laut Strato aus Effizienzgründen bevorzugt behandelt. Zur Verantwortung des Unternehmens für die entstandenen Schäden verweist Strato darauf, dass es zwar einerseits durch Verträge mit den Kunden verantwortlich sei, aber die technischen Dienstleistungen selbst nur eingekauft habe. Nach derzeitigem Kenntnisstand lag die Ursache der Panne im technischen System, für das Strato nicht verantwortlich sei, so ein Sprecher der Teles AG. Strato kündigte inzwischen die Einrichtung einer Task Force an. Diese soll sicherstellen, dass sich solche Pannen nicht wiederholen.

Keineswegs glücklich über den Strato-Schaden äußerte sich auch der Webhoster-Konkurrent Puretec. Die Panne stelle insgesamt die Frage nach der Zuverlässigkeit, so der Sprecher der 1&1 Internet AG, Michael Frenzel, gegenüber AP. Technische Pannen könnten zwar nie völlig ausgeschlossen werden. Beim 1&1-Angebot Puretec seien allerdings keine großen Sun-Cluster, sondern viele hundert Linux-Server im Einsatz. "Wir haben eine völlig andere Technik", erklärt der Firmensprecher. "Wir setzen auf viele kleine Systeme, die redundant sind." Bei einem Rechnerausfall seien dann maximal nur einige tausend Web-Präsenzen betroffen.

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