• Streik bei Lufthansa ist zu Ende – Wirbel um Bsirske Verdi-Chef und Ehefrau sollen mit der Airline kostenlos erster Klasse in die Südsee geflogen sein

Zeitung Heute : Streik bei Lufthansa ist zu Ende – Wirbel um Bsirske Verdi-Chef und Ehefrau sollen mit der Airline kostenlos erster Klasse in die Südsee geflogen sein

Rolf Obertreis Ewald B. Schulte

Berlin/Frankfurt am Main - Der Tarifstreit bei der Lufthansa ist beigelegt, der Streik geht am heutigen Sonnabend zu Ende – doch der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, ist ins Zwielicht geraten. Ausgerechnet an dem Tag, an dem der Arbeitskampf mit Hunderten von ausgefallenen und verspäteten Flügen zu Ende ging, wurde bekannt, dass er sich schon vor Beginn des Streiks in den Südseeurlaub verabschiedet hatte – und zwar offenbar auf Kosten der Lufthansa.

Wie die „Bild“-Zeitung am Freitag berichtete, nahmen er und seine Frau dabei zumindest bis Los Angeles Erste-Klasse- Freitickets des Arbeitskampfgegners in Anspruch: inklusive Schlafsessel, Kaviarmenü und Champagnerservice. Als Arbeitnehmervertreter ist Bsirske stellvertretender Vorsitzender des Lufthansa- Aufsichtsrats. Ob sich der Sonderservice auch auf den – nicht von der Lufthansa direkt bedienten – Anschlussflug zu Bsirskes Inselparadies erstreckte, blieb offen. Allerdings hat Lufthansa mit einigen Partnerunternehmen vereinbart, solche Vorzugsbehandlungen wechselseitig durchreichen zu können. Für die am 11. August geplante Rückkehr des Funktionärs – Monatseinkommen rund 13 500 Euro – soll das gleiche Gratis-Arrangement gebucht worden sein.

Die Lufthansa wollte sich trotz ihres Bekenntnisses zu hoher Unternehmenstransparenz am Freitag nicht dazu äußern, welche geldwerten Vorteile sie den Mitgliedern ihres Top-Managements und des Aufsichtsrates über die im Geschäftsbericht veröffentlichten Vergütungen hinaus gewährt. Zudem nehme das Unternehmen zu Buchungsdaten von Passagieren grundsätzlich nicht Stellung.

Verdi-Sprecher Harald Reutter bestätigte lediglich, dass Bsirske derzeit in Urlaub sei. Zu Ziel und Konditionen der Reise äußerte er sich nicht. Zum Zeitpunkt des Urlaubsantritts sei jedoch nicht absehbar gewesen, dass es bei der Lufthansa zum Streik kommen würde. Die Verhandlungsführung in diesem Tarifstreit habe ohnehin bei Erhard Ott gelegen, so dass die persönliche Anwesenheit Bsirskes während des Arbeitskampfs nicht erforderlich gewesen sei. Generell können Lufthansa-Mitarbeiter Flugzeuge der Gesellschaft privat zu deutlich verbilligten Konditionen nutzen. Nach mehreren Jahren Betriebszugehörigkeit gewährt das Unternehmen bestimmten Mitarbeitern mit ihren jeweiligen Partnern auch einen kostenlosen Jahresurlaubsflug.

Die Einigung im Tarifstreit kam überraschend zügig zustande. Das Bodenpersonal – zum Beispiel Technik, Abfertigung, Catering – erhält rückwirkend zum 1. Juli 5,1 Prozent mehr Lohn, ein Jahr später folgt eine Erhöhung um weitere 2,3 Prozent. Hinzu kommen eine Einmalzahlung und eine ergebnisabhängige Komponente von bis zu 2,4 Prozent eines Jahresgehalts. Damit bleibt die Einigung deutlich unter den von Verdi geforderten 9,8 Prozent. Die Lufthansa sprach von einer Erhöhung im Gesamtvolumen von 4,2 Prozent auf ein Jahr gerechnet. Die Laufzeit ist mit 21 Monaten nahe an den zwei Jahren, die das Unternehmen angestrebt hatte. Verdi wollte ursprünglich eine Laufzeit von nur einem Jahr. Zunächst gilt die Einigung nur für die rund 36 000 Boden-Beschäftigten. Ob er auch für die 14 000 Kabinen-Beschäftigten übernommen wird, hängt auch an der Konkurrenzgewerkschaft Ufo. Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer sprach von einem Abschluss, der das Unternehmen zwar finanziell belaste, aber vertretbar sei. „Wir konnten ein Ergebnis erreichen, das sich sehen lassen kann“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Ott.

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