Zeitung Heute : Streit der Diplomaten

Amerikanische Außenminister berufen dringende Sitzung ein – wohin mit Julian Assange?

Schlechte Aussichten. Die Briten wollen ihn an Schweden ausliefern: Julian Assange, hier noch vergleichsweise entspannt auf einem Bild aus dem Juni 2011. Foto: K. Wigglesworth/dapd
Schlechte Aussichten. Die Briten wollen ihn an Schweden ausliefern: Julian Assange, hier noch vergleichsweise entspannt auf einem...Foto: dapd

London/Washington - Ins diplomatische Tauziehen um den Wikileaks-Gründer Julian Assange will sich nun auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) einschalten. Die OAS berief für kommenden Freitag eine Dringlichkeitssitzung der amerikanischen Außenminister ein. Dabei soll über den Streit zwischen London und Quito wegen des diplomatischen Asyls für Assange in der ecuadorianischen Botschaft in Großbritannien beraten werden. 23 OAS-Staaten sprachen sich am Freitag (Ortszeit) für das Treffen aus. Dagegen stimmten die USA, Kanada sowie Trinidad und Tobago.

Ecuador hatte dem 41 Jahre alten Australier Assange, der sich vor rund acht Wochen in die Botschaft geflüchtet hatte, diplomatisches Asyl gewährt. Der Fall war zu einem Streit zwischen Ecuador, Großbritannien und Schweden ausgeartet.

Die Nationalversammlung Ecuadors verurteilte das Verhalten Großbritanniens in einer offiziellen Erklärung. Die Drohung, zur Festnahme von Assange notfalls in die Botschaft des Landes in London einzudringen, stelle einen „Angriff auf die nationale Souveränität“ dar und sei ein Verstoß gegen internationales Recht, heißt es in der Erklärung, die das Parlament am Freitag beschloss. Der britische Außenminister William Hague hatte zuvor gesagt, es gebe keine solche Drohung. Großbritannien müsse aber seine internationalen Verpflichtungen erfüllen. Gegen Assange existiert ein EU-weiter Haftbefehl aus Schweden wegen des Verdachts auf Sexualdelikte. Er soll nach Skandinavien ausgeliefert werden.

Assange aber bestreitet die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung und vermutet ein Komplott. Der Australier befürchtet eine Abschiebung von Schweden in die USA, wo ihm lebenslange Haft wegen Geheimnisverrats drohen könnte. Die von Assange maßgeblich betriebene Plattform Wikileaks hatte unzählige vertrauliche diplomatische Depeschen aus den USA veröffentlicht.

Julian Assange hatte in Großbritannien in einem anderthalbjährigen Prozessmarathon versucht, die Auslieferung gerichtlich zu verhindern. Die australische Botschaft in Washington bereitet sich derweil auf eine mögliche Auslieferung Assanges in die USA vor. Dabei handele es sich allerdings um eine reine Vorsichtsmaßnahme, hieß es. dpa/AFP

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