Zeitung Heute : Streit über die Zahl der Opfer

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Wie viele Menschen an den Folgen der Reaktorkatastrophe gestorben sind, ist umstritten. Einigermaßen gesichert ist, dass während und unmittelbar nach dem Unfall maximal 50 Menschen durch die Explosion oder die radioaktive Strahlung getötet wurden.

Nach im Jahr 2005 erschienenen Berichten im Auftrag des Tschernobyl-Forums , an dem neben der Ukraine, Russland und Weißrussland auch die Internationale Atomenergiebehörde und die Weltgesundheitsorganisation beteiligt sind, sind in den betroffenen Gebieten keine Anzeichen für eine Erhöhung der Krebshäufigkeit festzustellen. Ausnahme Schilddrüsenkrebs: Etwa 4000 Fälle seien auf die Strahlenbelastung nach dem Unfall zurückzuführen. Mindestens neun Kinder starben.

Kritiker des Forums wie die Vereinigung „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) veröffentlichten Anfang April 2006 gemeinsam mit der Gesellschaft für Strahlenschutz (GFS) eine alternative Studie , wonach mehrere 100 000 Aufräumarbeiter erkrankt und Zehntausende gestorben seien. Mehr als 10 000 Schilddrüsenkrebsfälle , 10 000 Fehlbildungen bei Neugeborenen sowie 5000 Todesfälle unter Säuglingen seien bisher als Folge der Katastrophe zu beklagen. Die kürzlich veröffentlichte „TORCH“-Studie , die von der Europaabgeordneten Rebecca Harms (Grüne) in Auftrag gegeben wurde, spricht von 30 000 bis 60 000 zusätzlichen Krebstoten , die weltweit als Folge des Unfalls zu erwarten seien. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach in der vergangenen Woche von 270 000 zusätzlichen Krebserkrankungen allein in Weißrussland, der Ukraine und Russland, von denen geschätzte 93 000 tödlich enden würden.

Die gesundheitlichen Langzeitfolgen und die daraus resultierenden Todesfälle werden sich nie endgültig beziffern lassen. Die Beweislast liegt bis heute bei den Kranken und den Familien der Opfer. dal

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