Streit um Atomprogramm : Israel will US-Waffen gegen den Iran

Israel hat die USA um militärisches Material gebeten, das für einen Angriff auf den Iran notwendig ist. US-Präsident Obama gibt sich zurückhaltend - und erntet Lob aus Teheran.

Das iranische Atomprogramm beunruhigt die Israelis. Sie wollen sich für den Fall der Fälle rüsten - und bitten die USA um effektivere Waffen.
Das iranische Atomprogramm beunruhigt die Israelis. Sie wollen sich für den Fall der Fälle rüsten - und bitten die USA um...Foto: dpa

In israelischen Regierungskreisen wurde am Donnerstag bestätigt, dass im Umfeld der Gespräche von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei US-Präsident Barack Obama am Montag die Anfrage nach schweren bunkerbrechenden Bomben und nach Tankflugzeugen an die US-Regierung gestellt worden sei. Beides benötigt Israel, um einen erfolgversprechenden Angriff auf die iranischen Atomanlagen unternehmen zu können.

Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms nach Atomwaffen zu streben. Aus Furcht vor einem Angriff hat das Regime in Teheran die Verlegung wichtiger Teile der Urananreicherung in entlegene unterirdische Anlagen angekündigt. Um diese Ziele erreichen und sicher zurückkehren zu können, müssten Kampfflugzeuge aus Israel in der Luft aufgetankt werden. Zudem verfügt Israel nur über schwächere bunkerbrechende Bomben.

Ein Bericht der Zeitung „Maariv“ wurde aber als „unrealistisch“ bezeichnet, nach dem Obama die Lieferung des Materials an die Bedingung geknüpft habe, dass Israel in diesem Jahr keinen Angriff mehr unternehme. Obama stellt sich im November zur Wiederwahl und plädiert für eine weitere diplomatische Frist zur Lösung des Atomstreits. Netanjahu hat Obama nach Angaben aus seiner Umgebung versichert, dass Israel noch keine Entscheidung über einen Militärschlag getroffen habe. Der jüdische Staat sieht sich durch einen atomar bewaffneten Iran in seiner Existenz bedroht.

Irans oberster Führer hat derweil anerkennende Worte für Obama gefunden. Ajatollah Ali Chamenei lobte, dass sich der US-Präsident für eine diplomatische Lösung einsetze, statt auf einen Militärschlag zu setzen. Obama hatte am Dienstag die Leichtigkeit kritisiert, mit der einige Leute über einen Krieg gegen den Iran redeten. „Das waren gute Äußerungen“, sagte Chamenei nach Angaben des Staatsfernsehens bei einem Treffen des Expertenrates, des höchsten religiösen Gremiums im Lande. (rtr/dpa)

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