Zeitung Heute : Streit um Sportplatz neben der Gedenkstätte Sachsenhausen

Der Tagesspiegel

Oranienburg. Im Streit um die zukünftige Nutzung des ehemaligen SS-Truppenlagers an der Gedenkstätte Sachsenhausen gibt es wieder Bewegung. Die Leiterin der Planungsgruppe für die Polizeifachhochschule, Britta Stark, sagte, man werde „in Kürze“ auf die Kritiker der Baupläne - vornehmlich Opferverbände - zugehen. Man nehme deren Bedenken sehr ernst.

Der Architekt Daniel Libeskind, der auch das Jüdische Museum in Berlin entwarf, will auf dem ehemaligen KZ-Gelände die „Hope Incision“ (Hoffnungsschneise) errichten. Der schräg angelegte Gebäuderiegel soll in Kontrast zur alten Bebauung stehen und gemischt genutzt werden. In die benachbarten alten SS-Gebäude zieht die Polizeifachhochschule Brandenburgs ein. Dies wird von Libeskind und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten begrüßt. Ärger gibt es aber um die Platzierung von Neubauten. Kürzlich waren Pläne des Innenministeriums für eine Sporthalle, einen Sportplatz und Parkplätze bekannt geworden, die nach der Ansicht von Libeskind und der des Oranienburger Bürgermeisters Joachim Laesicke mit dem Gedanken der Erhaltung des historischen Ensembles unvereinbar sind.

Die Sportanlagen sollen zwischen den Gebäuden der SS-Kaserne eingefügt werden. Dies widerspricht Libeskinds Entwurf. Kritisiert wird auch, dass sich der Sportplatz unmittelbar neben dem Eingangsbereich und somit in Rufweite der Gedenkstätte befindet. „Ich würde mir mehr Sensibilität seitens des Innenministeriums wünschen“, sagte Laesicke. „Es sollte sich gedanklich damit auseinandersetzen, was die Stadt Oranienburg zusammen mit Historikern und Architekten erarbeitet hat.“ Er verglich die Pläne mit dem zu DDR-Zeiten üblichen, unbekümmerten Umgang mit der NS-Architektur, als auf dem Gelände so gebaut wurde, dass Neues nicht von Historischem zu unterscheiden war.

Das Libeskind-Büro hatte gezeigt, dass sich die Sportstätten der Fachhochschule in die Hoffnungsschneise integrieren ließen. Die Polizeischule könnte damit in den geplanten Gebäuden eine „Ankerfunktion“ für weitere Investoren einnehmen.

Das Lager Sachsenhausen war 1936 als KZ-Prototyp gebaut worden und ist als „Ensemble des totalen Terrors“ in so gut erhaltenem Zustand einzigartig, so Günter Morsch, Leiter der Brandenburgischen Gedenkstätten. woha

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