Zeitung Heute : Streiten lernen - aber richtig

HARALD OLKUS

Gabriele Reinert-Schneider, Kämpfer kommen weiter!, Verlag Urania-Ravensburger, 1998, 176 Seiten, 29 Mark 90.

Wo Menschen zusammenkommen, entstehen auch Konflikte."Wer Konflikte zu vermeiden sucht, hat es schwer, sie zu lösen.Wer sich ihnen stellt, sie annimmt, darin eine Herausforderung sieht, der hat es leichter, den Verlauf von Konflikten zu seinen Gunsten zu beeinflussen." Pragmatisch geht es los in dem neuen Buch der Kommunikationswissenschaftlerin und Unternehmensberaterin Gabriele Reinert-Schneider.Obwohl es der Titel "Kämpfer kommen weiter!" nahelegt, ist das Buch nicht für diese geschrieben, denn die brauchen so etwas nicht.Sie nehmen bereits das Schicksal in die eigenen Hände und suchen die Auseinandersetzung.

Die Autorin wendet sich vielmehr an diejenigen, die Angst vor Konflikten haben, sich ducken und hoffen, daß der Kelch an ihnen vorübergeht.Es helfe aber nicht, allen Mut zusammen zu nehmen, um sich blind und unvorbereitet ins Gefecht zu stürzen und vielleicht zufällig daraus als Sieger hervorzugehen.Nein, erfolgreich zu streiten will geübt sein.An Kontroversen wächst man, ist die Autorin überzeugt und deshalb hat sie eine "Gebrauchsanweisung" geschrieben, mit deren Hilfe der Leser "Schritt für Schritt kämpfen lernt" und das am Ende auch noch gerne tun soll.

Doch ohne Problemanalyse keine Erkenntnis.Bevor sich der Streiter in die Schlacht stürzt, sollten seine Werkzeuge vorbereitet sein: Anhand von Fallbeispielen lernt der Leser die verschiedenen Disziplinen kennen: den klassischen Machtkampf, das Mobbing und den gemeinen Verteilungskampf.Über Taktik und Streitverlauf ergeben sich die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten vom brüsken Abbruch der Beziehungen bis zur friedlichen Koexistenz.

Die Messer sind jetzt zwar gewetzt, doch der Kämpfer kennt sich selbst noch nicht.Er muß lernen, wie sein Persönlichkeitsstil das Konfliktverhalten beeinflußt: Bin ich Heißsporn oder Eisberg, sensibel oder eher abenteuerlich? Wie in der Pharmazie kommt es auch hier auf die Dosis an: in der richtigen Menge kann jede Eigenschaft nützlich sein, nimmt man zu viel, wird es zum Gift.

Wie beim Schach stehen dann die Suche nach den Schwächen des Gegners und die Strategien zur Eröffnung des Kampfes auf dem Stundenplan und auch die Frage, wer wem mit welchen Mitteln am erfolgreichsten entgegentritt.Am Ende des Buches nimmt die Autorin den Leser in die Phalanx berühmter Kämpfer von Siegfried bis Nelson Mandela auf.Aber nicht alle Kämpfer müssen gleich Weltgeschichte schreiben, tröstet sie.Liebe, Ruhm und Ehre kann man auch in seinem eigenen Wirkungskreis erlangen.

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