Streng öffentlich : Die verschleierten Erfolge des BND

Frank Jansen

Dauernd schlechte Nachrichten über den Nachrichtendienst BND: Journalisten bespitzelt, beim Irakkrieg hospitiert, mit Kollegen von Schurkenstaaten wie Syrien kooperiert – da kommt einiges zusammen, was die Schar der Kritiker dem Dienst so übel nimmt. Der BND selbst gibt sich einsichtig oder einsilbig, machmal entweichen auch schwere Seufzer. Die Belastung durch das Bohren des Untersuchungsausschusses und das öffentliche Bashing habe viele Mitarbeiter verunsichert, heißt es. Und die Arbeitsfähigkeit des Dienstes sei gefährdet, wenn es so weitergeht. Mag sein – später mal. Hier und heute sieht es anders aus.

Man könnte sogar sagen: Mit dem Gejammer haben Ernst Uhrlau und seine Behörde ganz gut ihre Effizienz verschleiert. Ist für einen Geheimdienst vielleicht auch gar nicht verkehrt. Aber jetzt kommt doch die Wahrheit ans Licht.

Spätestens seit vergangener Woche ist offensichtlich, dass der BND trotz aller Affären prächtig funktioniert. Da gelingt es dem vom Dienst abgestellten „Facilitator“ Gerhard Conrad, im Auftrag der Vereinten Nationen zwischen den Erzfeinden Israel und Hisbollah zu vermitteln. Conrad erreicht nach 18 Monaten strapaziöser Pendeldiplomatie, dass Israel einen der grausamsten Terroristen des Nahen Ostens, den Kindermörder Samir Kuntar, freigibt. Und libanesische Kämpfer und demnächst auch Palästinenser. Für was? Für die Leichen zweier israelischer Soldaten. Der militärisch stärkste Staat der Region lässt sich auf einen Handel ein, der ihm „nur“ einen moralischen Vorteil bringt – und den die Terrorpartei Gottes als Triumph feiern kann. Da muss der BND sich schon sagen lassen: Wenn er über Leute mit soviel Geschick verfügt, wie es Conrad gegeben ist, braucht man sich um die Zukunft des Dienstes kaum zu sorgen.

Zumal am Sonntag, wenn auch nicht ganz so deutlich, der nächste Erfolg zu verbuchen war. Mit Hilfe des BND gelang es, die von der PKK verschleppten Deutschen freizubekommen. Möglicherweise, da gibt es im Umfeld der Bundesregierung natürlich unterschiedliche Versionen, sogar nur dank der Kontakte des Geheimdiensts.

Derweil wird im BND weiter umstrukturiert und der Generationenwechsel inszeniert, zum Ärger unwilliger Veteranen in Pullach. Wie auch immer dieses Experiment und die schwelenden Krisen enden: Sein Kerngeschäft, wer wollte es jetzt noch bezweifeln, betreibt der BND professionell weiter. Und gänzlich unbekümmert. Frank Jansen

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