Zeitung Heute : Stress im Testlabor Bislang haben sich in Berlin und Brandenburg 218 Menschen angesteckt

Dass Roland Körber Besuchern zur Begrüßung die Hand gibt, ist höflich gemeint, vorbildlich ist es aber nicht. Körber ist Direktor des Landeslabors Berlin-Brandenburg (LLBB), in dem die Tests zum Nachweis des Schweinegrippe-Erregers H1N1 durchgeführt werden. Er müsste daher mit den Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Krankheit bestens vertraut sein: Händeschütteln und enger Körperkontakt sind zu meiden, zudem sind die Hände regelmäßig zu waschen. Und wenn schon niesen, dann bitte nur in die Armbeuge. Körber muss lachen, wenn man ihn darauf hinweist.

Das LLBB befindet sich in einem futuristischen Siebziger-Jahre-Bau direkt hinter dem Hauptbahnhof. 1500 sogenannter PCR-Tests sind hier bislang durchgeführt worden, um das Schweinegrippe-Virus nachzuweisen. Nötig sind sie, weil die Schnelltests der niedergelassenen Ärzte nur Auskunft darüber geben, ob ein Patient mit dem Influenza-Virus infiziert ist. „Im Hinblick auf die Schweinegrippe sind Schnelltests jedoch zu unspezifisch“, sagt Roland Körber.

Die im LLBB zu analysierenden Proben holen Kurierfahrer bei den Ärzten ab. Im Idealfall gibt es von jedem Patienten drei Wattestäbchen: jeweils ein Abstrich vom Rachenraum und den Nasenschleimhäuten beider Nasenlöcher. „Das ist gerade dann wichtig, wenn sich die Infektion noch in einem frühen Stadium befindet und sich die Viren noch nicht im ganzen Körper ausgebreitet haben“, sagt Infektionsdiagnostiker Ulrich Wittstatt.

Die Aufbereitung der Proben erfolgt im ersten Stock des Gebäudes, in der Abteilung für Infektionsdiagnostik. Hier herrscht Sicherheitsstufe 3: Vor den Türen liegen Desinfektionsmatten, diesen Bereich darf man nur in grünen Kitteln betreten. Die Wände sind „gasdicht“, so dass keine Luft hindurchdringen kann. Zudem herrscht hier permanenter Unterdruck, damit keine Luft aus den Räumen entweichen kann. Unter einer Werkbank werden die Wattestäbchen aus den Plastikröhrchen entnommen und in eine Flüssigkeit getaucht. Dabei platzen Zellen und Virushüllen auf . „Ab diesem Zeitpunkt sind sie nicht mehr infektiös“, sagt Molekularbiologin Sabine Burkhardt. Sie arbeitet im Erdgeschoss des Hauses, im Bereich für Gentechnik. Dort übernimmt sie die aufbereiteten Proben und lässt maschinell das Virus-Erbgut herauslösen. Das wird anschließend immer wieder auf bis zu 95 Grad erhitzt, in einem Gerät, das Lärm macht wie ein Staubsauger. Bis zu 24 Proben können darin gleichzeitig behandelt werden. Nach zwei Stunden erscheint auf einem Computerbildschirm das Ergebnis in Form eines Kurvenverlaufs: Bei positivem Befund steigt die Kurve steil an.

Zwischen sechs und acht Stunden dauert es, bis das Ergebnis nach Eingang der Probe im Labor feststeht. Derzeit werden im LLBB täglich zwischen 50 und 100 Proben untersucht. „Die Spitze lag bei 137“, sagt Infektionsdiagnostiker Ulrich Wittstatt. Er schätzt, dass maximal 200 Proben pro Tag analysiert werden.

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