Zeitung Heute : Stress mit Herz

Baschi: DJ Bobo zählt nicht zu meinen Schweizer Lieblingsmusikern

Bei uns in der Schweiz geht es nicht anders. Mundartrock ist einfach überall – auch bei mir zu Hause. Ich bin mit Bands wie Gölä, Züri West und Polo Hofer aufgewachsen und was soll ich sagen: Ich konnte alle ihre Lieder auswendig. „I schänke dr mis Härz“ von Züri West zum Beispiel. Diese Band ist einfach die geilste Mundart-Band. Allein der Name, diese ironische Umschreibung der Stadt Bern, ein Traum. Noch heute ist die Band fester Bestandteil meiner CD-Sammlung.

Doch ein anderer darf da nicht fehlen, mein absoluter Schweizer Liebling: Stephan Eicher. Er ist unser internationales Aushängeschild. Zumindest mein persönliches. Denn weder mit DJ Bobo noch mit Gotthard kann ich viel anfangen. Eichers Musik ist abwechslungsreich. Der „Eisbär“, sein Neue-Deutsche-Welle-Hit aus den 80er Jahren, den er mit seiner Band „Grauzone“ veröffentlicht hatte, klingt noch heute frisch und unverbraucht. Außerdem variiert er mit der Sprache, zum Teil wechselt er innerhalb eines Songs vom Französischen ins Deutsche. Niemand sonst drückt unsere sprachliche Vielfalt so schön aus wie er.

Das Gute daran ist, dass nicht nur die Sprache interessant ist, sondern auch deren Botschaft. Dafür arbeitet er extra mit Schriftstellern wie dem Franzosen Philippe Djian oder dem Schweizer Martin Suter zusammen. Allerdings muss ich gestehen: der Röstigraben in unserem Land ist beim Thema Musik noch tiefer. Aus der Romandie, der französischsprachigen Schweiz, sind nicht viele Musiker Bestandteil meiner Sammlung – bis auf einen: Stress. Unsere unumstrittene Nummer eins in Sachen Hiphop. Seine Musik ist direkt und kommt von Herzen – typisch für Schweizer Musik, egal woher sie kommt. Aber offen gesagt, auch Österreicher schaffen es nur ganz selten auf meinen iPod. Mit einer Ausnahme: Falco, ein sagenhafter Künstler.

Seine Musik ist auch eine Art Rettungsanker, genau wie die Lieder von Patent Ochsner. Sie haben den ultimativen Song für miese Zeiten geschrieben: „Bälpmos“, so viel Traurigkeit und Trost gleichzeitig steckt in keinem anderen Lied aus der Schweiz. Und das, obwohl die Band durchaus mit volkstümlicher Musik aus der Schweiz experimentiert und bei allem Respekt: aber mit Alpenmusik kann man mich zum Teufel jagen – oder nach Züri West.

Aufgezeichnet von Christian Tretbar

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