Zeitung Heute : Strom pro Liter

Dieter Fockenbrock

Bei der Erzeugung von Ökostrom hinkt Deutschland im EU-Vergleich hinterher. Wie kam es dazu?

Fast zwei Milliarden Euro haben die deutschen Stromverbraucher im vergangenen Jahr für die Förderung von Ökostrom ausgegeben – Tendenz steigend. Und trotzdem zählt die Bundesrepublik nicht zu den führenden Ökostromnationen Europas. Das ließe den Rückschluss zu, dass die rot-grüne Bundesregierung mit ihrem Ziel gescheitert sei, die regenerativen Energien massiv auszubauen. Doch in Wahrheit liegen Frankreich, Italien, Österreich, Spanien oder Schweden nur deshalb vor Deutschland, weil diese Länder die Wasserkraft in ganz großem Stil nutzen können. Deutschland dagegen ist mit 20 Milliarden Kilowattstunden an seine Grenzen gestoßen – mehr Stauseen und Wasserkraftwerke sind nicht drin. Rein geografisch betrachtet. Deshalb wird es auch bei vier Prozent Strom aus Wasser gemessen an der Gesamterzeugung bleiben. Österreich dagegen bringt es leicht auf 54 Prozent, Frankreich immerhin noch auf elf. Im Durchschnitt der EU werden neun Prozent des Strombedarfs durch Wasserkraftwerke gedeckt. Dafür zahlen sich in Deutschland die milliardenschweren Subventionen bei den anderen erneuerbaren Energieen aus. Vor allem bei der Nutzung der Windkraft rückt Deutschland langsam in die Führungsgruppe der EU vor. Windmühlen bekommen auch den größten Teil der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz . Wind, Biomasse oder Sonne produzieren hier inzwischen mit 25 Milliarden Kilowattstunden schon mehr Strom als Wasserkraftwerke.

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