Zeitung Heute : Stubenarrest

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Guten Fußball spielen. Ab und zu gewinnen. Schalke schlagen. Kämpfen. Und gesund werden, finanziell gesehen. Wenn künftig der Ideenreichtum beim Sparen ein ähnliches Format gewinnt wie zuletzt beim Geldbeschaffen, dann steht die Borussia in ein paar Jahren wieder einigermaßen stabil da. Jedenfalls finanziell. An sportliche Glanztaten sollte in diesen Tagen niemand denken; schließlich hat Schalke ja auch Jahrzehnte gebraucht, um sich vom Bestechungsskandal zu erholen und überhaupt in die Nähe der Meisterschale zu kommen. Deshalb ist das Sanierungskonzept in diesem Punkt zumindest realistisch: Bis zur Saison 2009/2010 wird nicht mit einer Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb gerechnet. Der Weg zurück zum internationalen Renommee verläuft über die deutsche Provinz, die den Champions–LeagueGewinner inzwischen abgehängt hat. Mainz und Hannover, Wolfsburg und Bielefeld sind die Orientierungsgrößen der Borussen und nicht Juventus, Real und Inter. Das tut weh.

Seit dem 28. Mai 1997, als der BVB Juventus Turin 3:1 im Finale der Champions League bezwang, ist viel passiert. Vor allem ist ziemlich viel schief gegangen. Um es in einem Satz zu sagen: Die BVB-Bosse gaben einfach mehr Geld aus, als sie hatten. Und deshalb erschlossen sie immer neue Geldquellen und luden dem Verein dadurch einen Schuldenballast auf, der nicht zu verkraften war. Der Börsengang im Oktober 2000 war sicherlich der Meilenstein zur Dortmunder Plutokratie. Auf was für Ideen die Leute kommen, wenn das Wasser an der Oberkante der Unterlippe steht, wird an der Verpfändung der Namensrechte deutlich. Für 20 Millionen Euro verkauften die Borussen-Führer den Markennamen an den Versicherungskonzern Gerling. Für 1,4 Millionen im Jahr wird der Name zurückgekauft. Und wenn diese 1,4 Millionen nicht gezahlt werden können, dann fällt der Name weg. Die Gerling-Versicherung könnte dann eines ihrer Produkte, nehmen wir zum Beispiel eine Lebensversicherung, BVB Borussia Dortmund nennen. Für die Fans ist das gar nicht lustig.

Wenn die Sanierung klappt, bleibt das nur eine böse Vision. Und damit die Sanierung klappt, verzichten alle 67 Gläubiger. Ein bisschen jedenfalls. Sie bekommen ihr Geld zurück, aber etwas später als ursprünglich vereinbart. Damit der Verein dereinst die vielen Schulden zurückzahlen kann, muss nun jeder Cent zurückgelegt werden. Wegen der Sünden der Vergangenheit hat die Borussia keinerlei Spielraum mehr. Fast vier Fünftel des beim Börsengang eingenommenen Kapitals sind inzwischen von Verlusten aufgezehrt. Wer aber in so wenigen Jahren so viel Geld verbrennt, dem sollte man keinen Schein mehr leihen sondern ihn an die kurze Leine nehmen. Das passiert jetzt. Der Verein und vor allem die Spieler werden lernen müssen, dass sie fast ganz unten sind und viele Jahre und viel Schweiß brauchen, um wieder hochzukommen. Wer das versucht, verdient sich alle Sympathien. Und wenn dann noch Schalke geschlagen wird…

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