Zeitung Heute : „Studenten gewinnen bei einem Auslandsaufenthalt dreifach“

Fünf Fragen an Dorothea Rüland, Direktorin des Center for International Cooperation (CIC) der Freien Universität Berlin

Aus welchen Gründen würden Sie Studierenden empfehlen, einige Zeit im Ausland zu verbringen?

Studierende können auf vielschichtige Weise gewinnen. Zum einen haben junge Menschen während ihres Studiums oder der Promotion die Chance, Kurse, Veranstaltungen und Programme zu besuchen, die an der Heimatuniversität nicht angeboten werden. Neben dem Wissenserwerb können sie aber auch persönlich sehr viel mitnehmen. Ein Auslandsaufenthalt ist für jeden eine einmalige Erfahrung. Alltägliche Dinge werden anders gesehen und erledigt, es gibt andere Kommunikationsstrukturen, eine andere Arbeitsmentalität und vielleicht auch andere wissenschaftliche Herangehensweisen. Während eines Auslandsaufenthalts lernen Studenten also nicht nur viel über die andere Kultur - sondern auch über sich selbst. Studenten sammeln interkulturelle Erfahrungen und lernen, sich in einem solchen Kontext zu bewegen. Sie schaffen sich zudem sehr gute berufliche Perspektiven, auch mit den Sprachkenntnissen, die sie erwerben.

In welchen Branchen spielt interkulturelle Kompetenz eine Rolle? Gibt es Berufsfelder, in denen eine Zeit im Ausland eine Voraussetzung für eine Stelle ist?

Erfahrungen im Ausland spielen heute fast überall eine Rolle. Das gilt nicht nur für die Global Player, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen, die zunehmend im Ausland aktiv sind. Als Wirtschaftswissenschaftler etwa benötigt man in besonderem Maß internationale Erfahrungen, hier sollte man sich darauf einstellen, einige Zeit des Arbeitslebens im Ausland zu verbringen. Aber auch Studenten der Natur- und der Geisteswissenschaften sollten interkulturelle Kompetenz erwerben, denn wir nähern uns dem angloamerikanischen Modell an, was den Beruf betrifft: Wir studieren nicht mehr auf einen spezifischen Beruf hin, sondern studieren ein Fach, und in der Regel folgt auf das Studium eine Phase des „Training on the job“. Außerdem wird man in Zukunft beruflich noch flexibler sein, noch häufiger Stellen und Arbeitsfelder wechseln. Auch darauf kann ein Auslandsaufenthalt vorbereiten.

Sprachkurs, Studiensemester, Praktikum: Wovon sollte sich ein Student bei der Wahl des Auslandsaufenthalts leiten lassen?

Das hängt sicher davon ab, wo die Studierenden künftig arbeiten möchten. Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, für den ist es sicher sinnvoll, eine Zeit lang an einer ausländischen Universität zu studieren. Wer von vornherein in der Wirtschaft einsteigen will, sollte eher ein Praktikum in einem Unternehmen absolvieren. Ein Sprachkurs ist der kleinste gemeinsame Nenner – doch die Erfahrung zeigt, dass ein Aufenthalt nicht zu kurz sein sollte.

Wie lange sollte er sein – gibt es eine Faustregel?

Im Idealfall ein Jahr, dann hat man den größten Gewinn. Es dauert ja eine Weile, bis man sich eingewöhnt hat und zurechtfindet. Die Länge der Anlaufphase hängt auch davon ab, wie weit das Zielland entfernt ist. Die Akkulturation in China oder Indien dauert länger als in einem europäischen Land.

Wie lange im Voraus sollten sich Studierende auf ihren Aufenthalt im Ausland vorbereiten?

Man sollte frühzeitig beginnen. Wenn man eine finanzielle Förderung bekommen möchte, fast ein Jahr vorher. Es gibt auf der Homepage der Freien Universität Berlin und über das Akademische Auslandsamt der Hochschule eine Vielzahl von Informationen. Im Rahmen der Bachelor- und Master-Studiengänge wird die Bedeutung von strukturierten Austauschprogrammen und maßgeschneiderten Angeboten noch steigen – und hier ist die Freie Universität mit einer großen Zahl an Abkommen und Programmen mit ausländischen Partnerhochschulen sehr gut aufgestellt. Insgesamt möchte ich Studenten Mut machen. Es kostet ein bisschen Zeit, und man muss sich kümmern – aber eine Fülle von Wegen führt ins Ausland.

Das Gespräch führte Kerrin Zielke.

Weitere Informationen:

www.fu-berlin.de/cic

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