Zeitung Heute : Studentenjobs per Telefon

HARALD OLKUS

Wer über eine studentische Arbeitsvermittlung einen Job sucht, muß sich meist daran gewöhnen, an unwirtlichen Orten zu warten: Eine langer "Schlauch" bei der Tusma der Technischen Universität (TU) und eine Atmosphäre, die den drögen Charme einer Sozialbehörde ausstrahlt, bei den Heinzelmännchen der Freien Universität (FU).Wer über diese Anlaufpunkte einen Job sucht, sollte früh da sein, um an der allmorgendlichen Ziehung der Ausweise teilnehmen zu können - und möglichst unter die ersten zwanzig Plätze kommen.Denn je niedriger die Nummer, desto besser die Aussichten auf eine gut bezahlte Arbeit.Je höher die Nummer, desto länger wird der Tag im Wartesaal.

Etwas zeitgemäßer läuft es bei "effektiv", der studentischen Arbeitsvermittlung mit Sitz in der Technischen Fachhochschule (TFH) im Wedding.Schneller bei der Jobsuche und damit auch schneller durchs Studium, so ähnlich lautet die Gleichung mit mehreren Unbekannten von Ratko Djokic, dem Geschäftsführer von "effektiv".Schlange stehen und Nummern ziehen gibt es bei der privatwirtschaftlich organisierten Arbeitsvermittlung für Studenten nicht.Dafür Monitore mit Jobangeboten an bisher vier Hochschulen in Berlin und die Vermittlung übers Telefon.

"Effektiv" existiert seit etwa zwei Jahren.In ihrer Datenbank sind mittlerweile etwa 1400 Unternehmen und rund 3000 Studenten gespeichert - das ist zwar nur etwa ein Zehntel dessen, was die etablierten öffentlich-rechtlichen Konkurrenten verarbeiten, "aber trotzdem recht viel für diese kurze Zeit", sagt Djokic.Durch die Ansiedlung an der TFH hat "effektiv" den Vorteil, mit verhältnismäßig gut ausgebildeten Studenten werben zu können."Viele der Studenten haben eine Berufsausbildung und außerdem ist der Praxisbezug an einer Fachhochschule meistens höher als an den Unis." Das Dienstleistungsunternehmen vermittelt Studenten für kurzfristige Engpässe in Betrieben, hat aber auch längerfristige Stellen oder Praktikumsplätze im Angebot.

Im Unterschied zu Zeitarbeitsfirmen, die Arbeitskräfte fest anstellen und für befristete Dauer an verschiedene Unternehmen verleihen, werden bei "effektiv" und den anderen studentischen Arbeitsvermittlungen Arbeitsverträge vermittelt.Der Abrechnungsschein dient als Arbeitsvertrag zwischen Unternehmen und Studenten.Das Büro verdient nicht an jeder geleisteten Arbeitsstunde, sondern nur an der Vermittlung.Für die Unternehmen kostet der Erstkontakt mit dem Studenten eine Vermittlungsgebühr von 29 Mark für einen durchschnittlichen Job."Das deckt aber gerade die Kosten für unsere Verwaltungsarbeit", sagt Djokic.Das fünfköpfige Unternehmen trägt sich hauptsächlich über die Verwaltungsvergütung in Höhe von 2,8, beziehungsweise 1,8 Prozent des Bruttoverdienstes, die den vermittelten Studenten in Rechnung gestellt wird.

"Besonders bewährt hat sich unser umfassendes Service-Angebot", sagt der Jungunternehmer.Denn "effektiv" nimmt den Unternehmen, die sich von ihnen Studenten vermitteln lassen, die Verwaltungsarbeit ab: die Lohnsteuerabrechnung, die An- und Abmeldung bei der Krankenkasse oder die Entscheidung, ob der Student rentenversicherungspflichtig ist."Wir ersparen den Betrieben den Papierkram." Das Dienstleistungsunternehmen bietet eine Hotline an, unter der kurzfristig Studenten vermittelt werden können.Auf einer Tagesliste werden studentische Jobanfragen gespeichert und bei Bedarf am selben Tag noch vermittelt.

Der ehemalige Informatikstudent Ratko Djokic arbeitet bereits seit zehn Jahren im Bereich der studentischen Arbeitsvermittlung.1990 war er im Vorstand der Tusma und im Betriebsrat."Schon damals habe ich die Vorschläge mit den Monitoren gemacht", sagt Djokic."Es ließ sich aber leider nicht umsetzen." Bis er sich vor zwei Jahren selbständig machte und die Idee auf eigene Faust verwirklichte.

Studenten zahlen weniger Sozialabgaben

Berlin ist eines von mehreren Bundesländern, in denen es studentischen Arbeitsvermittlungen erlaubt ist, im Auftrag des Arbeitnehmers die Lohnsteuerabrechnung durchzuführen.Das bedeutet, daß Betriebe Studenten beschäftigen können, ohne pauschale Lohnsteuerzahlungen leisten zu müssen.Diese Regelung existiert seit Ende der vierziger Jahre und galt als sehr pragmatische Lösung, Studenten in den Nachkriegsarbeitsmarkt einzugliedern, da auf diese Weise Steuerausfälle wie auch der Verwaltungsaufwand gering gehalten werden konnten.Gegenwärtig wird eine bundesweite Vereinheitlichung dieser Regelung verhandelt.Ob das Berliner Modell auf alle Bundesländer übertragen wird oder ob der Senat diese Ausnahmeregelung zurücknehmen muß, sei derzeit noch offen, sagt Eckhard Schumann, Lohnsteuerreferent der Oberfinanzdirektion Berlin.

Studentische Arbeitsvermittlungen können nicht nur die Lohnsteuer, sondern auch die Beiträge für Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung im Auftrag des Unternehmers abrechnen.Bisher wirbt allerdings nur die studentische Arbeitsvermittlung "effektiv" mit diesem Service.Die "Tusma" der TU bietet diese Dienstleistung teilweise an, sagt Sandra Munsche vom Studentenservice der AOK.

Studierende müssen in der Regel keine Beiträge zur Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung bezahlen, es sei denn sie arbeiten langfristig mehr als 20 Stunden pro Woche.Dann werden sie veranschlagt wie ein normaler Arbeitnehmer.Bei einer Dauerbeschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 19 Stunden und einem monatlichen Verdienst von maximal 2500 Mark bleibt der Student beitragsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.In der Rentenversicherung besteht eine Versicherungspflicht, weil die Beschäftigung mehr als nur geringfügig betrieben wird.

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