Studiengang Mode an der UdK : Auf den Spuren des Kaschmirs

Hier wird noch in Familienbetrieben gestrickt: Modedesign-Studierende der Universität der Künste Berlin besuchten Produktionsstätten in Umbrien – und entwerfen für sie.

Rudolf Kellermann
Wild und warm. Ulf Brauners Kaschmir-Mantel bei der „schau13“.
Wild und warm. Ulf Brauners Kaschmir-Mantel bei der „schau13“.Foto: Lecca

Die Region Umbrien stellt in Italien in vieler Hinsicht etwas Besonderes dar. Das „Grüne Herz“ Italiens mit unendlichen Eichenwäldern ist so etwas wie eine Brücke zwischen Nord und Süd. Die Umbrer, die schon lange vor den Römern eine eigene Kultur aufbauten, sind sehr traditionsbewusst und stolz auf ihre umbrische und etruskische Herkunft. Neben Olivenöl, Trüffel und dem hervorragenden Rotwein „Sagrantino“ gehört die Strickerei zu den alten Traditionen. „Noch heute stehen in vielen umbrischen Haushalten Strickmaschinen“, erzählt Domenico Tasselli von Tasselli Cashmere in Bevagna.

16 Berliner Studierende konnten sich Anfang Mai ein Bild von der umbrischen Kaschmirstrickerei machen: Auf Einladung der Umbrischen Handelskammer „Centro Estero Umbria“ (CEU) besuchten sie drei Tage lang Kaschmirproduzenten in Umbrien. „Mich hat besonders beeindruckt, dass es in der Mode-Branche tatsächlich noch kleine Familienbetriebe gibt, die absolute Qualität herstellen und davon auch leben können – und nicht nur große Produktionsstätten in Asien“, sagt Seàn Neubauer, der Mode-Design an der UdK Berlin studiert.

Gemeinsam mit ihren Professorinnen Valeska Schmidt-Thomsen und Heike Selmer waren jeweils acht Studierende der UdK Berlin und der Kunsthochschule Weißensee auf Exkursion in Mittelitalien unterwegs.

Anlass der Studienfahrt war eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem CEU und den beiden Hochschulen. Sie sieht vor, dass die angehenden Modedesigner als Teil ihres Bachelorstudiums Ideen für moderne Kaschmirprodukte entwickeln. Die im Rahmen der Kooperation entstehenden Entwürfe werden dann während der Abschlussmodenschauen beider Hochschulen bei der Fashion Week gezeigt und von einer Jury, bestehend aus Fachleuten, Journalisten und Vertretern des CEU beurteilt. Die Siegerinnen und Sieger – pro Hochschule zwei Studenten – können ihre Entwürfe während eines einmonatigen Aufenthalts vor Ort in einer der umbrischen Produktionsstätten verwirklichen.

„Für unsere Studierenden ist die Kooperation und auch diese Exkursion ein echter Glücksfall. Selten haben Modestudenten die Möglichkeit, sich vor Ort die Produktionsbedingungen anzusehen und mit den Herstellern und Designern direkt in Kontakt zu treten“, schwärmt UdK-Professorin Valeska Schmidt-Thomsen. Überaus beeindruckt war die Professorin vor allem von der hohen Professionalität und Qualität der umbrischen Manufakturen. „Die Textilien sind in Qualität und Design nicht zu vergleichen mit den billigen Kaschmirprodukten aus China, die heute den europäischen Markt überschwemmen“, stellt sie fest. Auch die Studierenden bestätigen nach ihrem Besuch diesen Eindruck. „Es ist etwas Besonderes, für solche Luxusprodukte Entwürfe machen zu können“, meint UdK-Studentin Ayscha Zarina Omar.

Auch die umbrischen Kaschmirproduzenten waren von den Studierenden angetan. Besonders die Tatsache, dass die künftigen Designer während ihres Studiums durchaus handwerkliche Fähigkeiten erlernen müssen und die Bedienung einer Strickmaschine kein Buch mit sieben Siegeln für sie ist, erstaunte sie. „Eine vergleichbare umfassende Ausbildung kennen wir so in Italien nicht. Das hat mich beeindruckt und gibt mir die Zuversicht, mit den Berliner Studierenden auch außergewöhnliche Entwürfe umsetzen zu können“, meint Domenico Tasselli.

Auch Lorena Antoniazzi freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Berlinern. „Mir scheinen von diesen kreativen jungen Menschen Impulse auszugehen, die für unsere Kollektion neue Möglichkeiten eröffnen“, hofft sie. In ihren Werkstätten werden nicht nur eigene Designs in Kaschmir hergestellt, sondern fast die gesamte Männerstrickkollektion für Hermès Homme gefertigt.

Für die Region Umbrien ist es wichtig, das „Luxusprodukt“ Kaschmir und seine hervorragende Qualität bekannt zu machen. Nur so können die umbrischen Betriebe gegen die Konkurrenz aus China bestehen. „Wir haben im vergangenen Jahr bereits mit Design-Schulen in London kooperiert. Aber die Zusammenarbeit mit den Berliner Hochschulen erscheint mir sehr viel präsenter und effizienter zu sein. Und schließlich ist Deutschland ein ganz wichtiger Markt für unsere Textilien“, sagt Massimiliano Tremiterra, Direktor des CEU.

Marketing und Verkauf stehen für die meisten Modedesign-Studenten während ihres Studiums nicht im Vordergrund. Für Valeska Schmidt-Thomsen ist es jedoch wichtig, dass mit den Studierenden auch diese Themen angesprochen werden. „Eine Besonderheit dieser Kooperation ist, dass von den umbrischen Partnern der Marketingaspekt nicht so sehr in den Vordergrund gestellt wurde. Man will die Fantasie und Kreativität der Studierenden keinesfalls einschränken. Diese Offenheit bei wirtschaftlich denkenden Partnern ist selten.“

Beim Rundgang zeigt der Studiengang Mode neue Entwürfe und einen Film der diesjährigen Modenschau „schau13“. Straße des 17. Juni 118, Charlottenburg.

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