Zeitung Heute : Studieren auf Kredit

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Was wird heute wichtig?

Für 89 Prozent der Studenten sind die Eltern die wichtigste Einnahmequelle. Zwar erhält auch ein Viertel der Studierenden die staatliche Ausbildungsförderung Bafög – und immerhin knapp die Hälfte davon den Höchstsatz von 585 Euro monatlich. Aber noch immer sind Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien an den Hochschulen deutlich unterrepräsentiert. Was tun? Die staatliche Förderbank KfW (ehemalige Kreditanstalt für Wiederaufbau) glaubt die Lösung gefunden zu haben: Studienkredite für alle, unabhängig vom Einkommen und Vermögen der Eltern. Die Darlehen – bis zu 650 Euro monatlich – will die KfW zum kommenden Wintersemester bundesweit per OnlineBanking anbieten. Gemeinsam mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft stellt sie heute ihr Studienfinanzierungsmodell in Berlin zur Diskussion. Mit dabei sein wird auch Bundesbildungsministerin Bulmahns Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen. Zu diskutieren gibt es eine Menge: Warum beharrt die Bank darauf, dass ihr Angebot nichts mit dem Karlsruher Urteil zu Studiengebühren zu tun habe, sondern sie nur die Lebenshaltungskosten der Studenten finanzieren wolle? Wer soll das Ausfallrisiko für die heterogene studentische Klientel tragen? Das Problem der KfW-Bankengruppe liegt auf der Hand. Sie gehört zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Bundesländern. Bei Entscheidungen über neue Programme federführend ist also die Bundesregierung – und die hat sich immer wieder gegen Studiengebühren ausgesprochen. Trotzdem wird der Bund den KfW-Studienkrediten wohl bis zum Sommer zustimmen. Denn die Förderbank versichert, auch ohne eine finanzielle Unterstützung durch den Bund auszukommen. Mit dem angestrebten Zinssatz von 5,1 Prozent seien „alle Risiken abgedeckt“, sagt eine KfW-Sprecherin. Für eine Härtefallregelung für chronisch Kranke oder arbeitslose Absolventen, die ihr Darlehen nicht zurückzahlen können, wäre allerdings eine „soziale Flankierung“ wünschenswert – durch den Bund. -ry

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