Zeitung Heute : Studieren fast wie die Großen

Die Kinderuni 2007 lockt mit vielen spannenden Veranstaltungen

Torsten Schaletzke

Kindergartenbetreuung ab zwei, Einschulung mit vier und Universitätsbesuch ab acht Jahren – Wissenschaftler sind sich einig: Bildung ist eine herausragende menschliche Ressource, die so früh wie möglich gefördert werden muss. Dennoch: Schon im zarten Alter von acht der Universitätsbesuch – vielleicht doch ein zu ehrgeiziges, ein verfrühtes Ziel? Keineswegs: „Die Uni – das war toll!“, schwärmt der achtjährige Moritz Wagner aus Berlin-Charlottenburg. „In meinem Wassertropfen hab’ ich ganz viele winzig kleine Tierchen gefunden. Das waren Pantoffeltierchen, die haben da drin gelebt!“ Moritz muss es wissen, denn er ist ein kleiner „Kinder-Akademiker“. Schließlich war er bereits Teilnehmer der Kinderuni im vergangenen Jahr und durfte mit seiner Schulklasse in einem Mitmach-Kurs an der Freien Universität Berlin mikroskopieren. Die Einzeller wird es auch in diesem Jahr zu sehen geben, denn vom 24. bis 28. September findet die Kinderuni wieder statt.

Nicht nur Einzeller stehen dabei auf dem Programm, sondern auch die enorme Kraft der Hurrikane und Taifune, das angenehm saure Prickeln von Brausepulver und die universalen Kinderrechte der Kinderrechtskonvention. Ebenso große Spannung versprechen lehrreiche Entdeckungsreisen in die Welt der Physik, aber auch Führungen durch den Botanischen Garten und das Botanische Museum sowie durch die faszinierende anatomische Sammlung der Tiermediziner.

Organisiert wird das Curriculum für die Kleinen fast wie für große kluge Köpfe, nämlich als zwei unterschiedliche Veranstaltungsarten: Mitmach-Kurse und Vorlesungen – allerdings in altersgerechter, spielerischer Herangehensweise. Die Mitmach-Kurse entsprechen den Seminaren für Studierende. Es sind Workshops, die zum Experimentieren einladen: So können die Kinder zum Beispiel einen altägyptischen Speisetisch gestalten und erfahren so ganz praktisch etwas über das Leben in einer jahrtausendealten Hochkultur. Um der Frage auf die Spur zu kommen, wie gut uns unsere künstlichen Freunde, die Computer, wirklich verstehen, dürfen kleine Lego-Roboter programmiert werden.

Der Kurs „Das wunderbare Licht“ vermittelt dagegen, was es mit dem orangefarbenen bis purpurroten Abendhimmel auf sich hat. Dort werden die Kinder zudem durch ihre eigenen, selbst gebastelten Spektrometer schauen können und feststellen, woraus ein Lichtstrahl besteht. Und beim Nachbau eines eigenen Flussbetts und der Simulation von Hochwasser wird die Frage beantwortet: Wann fangen Steine an zu fließen? Aber auch in den Vorlesungen kommt keine Langeweile auf: Denn wer hat schon einmal einen Bösewicht über den genetischen Fingerabdruck überführt oder den Herzschlag eines Hundes gehört und mit seinem eigenen verglichen?

Die Kinderuni 2007 ermöglicht vielfältige Einblicke in die den Kindern sonst eher ferne Welt der Wissenschaft. Eine Woche lang öffnen die Wissenschaftler aus allen Fachbereichen ehrenamtlich ihre Institute, Labore und Hörsäle für die Nachwuchsforscher der zweiten bis sechsten Klasse und stehen den Kindern Rede und Antwort. Das kostenlose Angebot schlägt so eine Brücke zwischen Schule und Universität.

„Wegen des großen Interesses an den Veranstaltungen der Freien Universität Berlin haben wir das Angebot erweitert“, erklärt Wieland Weiß, Koordinator der Kinderuni 2007. „So können noch mehr Klassen als in den Vorjahren teilnehmen.“ Insgesamt finden rund 80 Kurse an zwölf verschiedenen Orten statt, die von bis zu 300 Schulklassen belegt werden können.

Dann heißt es wieder: probieren, beobachten, fragen, staunen und auch lernen. Und natürlich halten auch Wissenschaftler einen Studienbeginn mit acht Jahren für verfrüht, aber als Gasthörer reinschnuppern in die Uni wird ja wohl erlaubt sein! Torsten Schaletzke

Die Kinderuni 2007 findet vom 24. bis 28. September 2007 an der Freien Universität Berlin statt. Das Programm ist im Internet unter www.fu-berlin.de/kinderuni abrufbar. Unter dieser Adresse ist eine Online-Anmeldung eingerichtet, über die Berliner Lehrer ihre Schulklassen für die gewünschten Kurse anmelden können.

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