Studieren in den Neuen Bundesländern : Forschen für die Welt von morgen

Ob Technik, Medizin, Kunst oder Pädagogik: An der Spree steht die Zukunft auf den Lehrplänen.

Bald schon Alltag? Zur Langen Nacht der Wissenschaften im vergangenen Jahr führt die Beuth Hochschule eine Universalsteuerung für Roboter vor – und hat auch sonst Zukunftsweisendes zu bieten.
Bald schon Alltag? Zur Langen Nacht der Wissenschaften im vergangenen Jahr führt die Beuth Hochschule eine Universalsteuerung für...Foto: Beuth HS/Tobias Koppe

Wie werden wir künftig leben? Wer Antworten auf diese Frage sucht, wird in klassischen und neuen Studiengängen an den Berliner Hochschulen fündig.

Nach 90 Minuten kommen die Signale aus dem Orbit in Charlottenburg an. Genauer gesagt im Kontrollzentrum an der Technischen Universität (www.tu-berlin.de). Gesendet werden sie von zwei Satelliten. Studenten des Studiengangs Luft- und Raumfahrttechnik haben die gerade mal ein Kilo leichten Objekte gebaut. In der Weltraumforschung sind sie so etwas wie eine kleine Revolution.

Maschinenbau, Medizin, Informatik, Natur- oder Geisteswissenschaften: Berlins Universitäten erforschen die Zukunft und wollen dabei international das Tempo vorgeben. Selten waren Forschung und Lehre so lebensnah wie heute. In fast allen Disziplinen gehören Projektarbeiten, die Theorie und Praxis verbinden, zum Seminaralltag. Bei weiterführenden und neuen Studiengängen sind Praxisphasen von Anfang an im Lehrplan verankert.

Das Satelliten-Projekt ist nur ein Beispiel, Techniken zu finden, die künftig zum Standard gehören sollen. An der TU liegt ein weiterer Forschungsschwerpunkt auf der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Im Studiengang Human Factors lernen die Studierenden, wie menschliche Arbeitsabläufe auf Maschinen übertragen werden können.

Die Energiewende ist politisch längst beschlossene Sache. Doch gibt es genug Experten, die die Zukunft der Erneuerbaren Energien sichern? An der Beuth Hochschule für Technik (www.beuth- hochschule.de) können Studenten zu solchen Fachleuten werden. Die BHT verbindet den klassischen Studiengang Maschinenbau nun mit der Vertiefung Erneuerbare Energien. Das Angebot richtet sich an alle, die alternative Energiekonzepte entwickeln wollen oder als Ingenieure an technischen Anlagen arbeiten oder für Prozesse und Abläufe zuständig sein werden.

Weniger technisch geht es bei der Zukunftsforschung an der Humboldt-Universität Berlin (www.hu- berlin.de) zu. Im kommenden Wintersemester bietet die Hochschule erstmals den englischsprachigen Studiengang Mind and Brain an. Wie funktionieren Geist und Gehirn gemeinsam? Auf diese Frage suchen die Studenten Antworten in den Neurowissenschaften, der Philosophie oder der Psychologie. Der Studiengang will auf Jobs in der Forschung, im Wissenschaftsmanagement oder im Wissenschaftsjournalismus vorbereiten. Auch bei klassischen Fachrichtungen wie den Sozialwissenschaften hat sich die HU der Erforschung der modernen Gesellschaft verschrieben. Der deutsch-türkische Masterstudiengang der Fakultät beschäftigt sich unter anderem mit der Geschichte türkischer Mi- granten in Deutschland und der immer wieder aufflammenden Islamfeindlichkeit.

Mit zu den wichtigsten Herausforderungen für Politik und Gesellschaft gehört die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eltern haben immer höhere Ansprüche an Tagesmütter, an Kitas, an Schulen. Wenn Erwartungen und Arbeitsbedingungen im wahren Leben aufeinanderprallen, ist die Enttäuschung oft groß. Die Evangelische Hochschule (www.eh-berlin.de) bietet mit dem Bachelorstudiengang Kindheitspädagogik/Elementare Pädagogik ab dem Sommersemester eine Ausbildung an, die Pädagogen auf diese Anforderungen vorbereitet. Schwerpunkt ist die Arbeit mit Kindern von Null bis zwölf Jahren.

Mit der Zukunft beschäftigen sich auch die Künstler an den Berliner Hochschulen. Die Studenten an Europas größter Kunsthochschule, der Universität der Künste (UdK; www.udk-berlin.de), haben dabei besonders junge Schüler im Blick. Mit dem Projekt „Grundschule der Künste“ erweitert die UdK ihr Angebot für angehende Kunstlehrer – als Weiterbildung für Lehrer, Maler, Bildhauer oder Musiker, die an der Hochschule ihre Fachausbildung machen. Von dem Mitmach-Projekt versprechen sich Professoren und Studenten neue Ideen, wie Kunst bilden kann. Gelernt wird nicht nur an der Universität oder in der Schule, sondern auch in Ateliers, Werkstätten oder Parks. Auf neues Terrain wagt sich die UdK zudem mit dem Masterstudiengang Design. Erforscht wird, wie sich das Design von Mode und Produkten verändert und damit auf den technischen oder gesellschaftlichen Wandel reagiert.

Mehr als 200 000 Menschen aus aller Welt studieren in Berlin. Was sie lockt, ist vor allem die Vielfalt: Fünf Universitäten, sieben Fachhochschulen, vier Kunst- und 26 private Hochschulen gibt es in der deutschen Hauptstadt. Wer sich hier auf einen Beruf vorbereiten möchte, kann zwischen Hunderten von Studiengängen wählen – und nach dem Abschluss vielleicht selbst die Zukunft mitgestalten.

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