Zeitung Heute : Studium: Keine Wegweiser im MBA-Angebots-Dschungel

idw

Weltweit gibt es jährlich rund 130 000 MBA-Absolventen. Etwa 1600 deutsche Studierende schließen jährlich die Ausbildung mit dem Titel Master of Business Administration (MBA) ab. Damit hat sich die Zahl seit 1990 fast verdoppelt. Einen Überblick über den MBA-Markt und die Anbieter in Deutschland gibt die Kurzfassung einer Studie des Bundesminsiteriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die vielleicht wichtigste Aussage der Studie: Den MBA als überschaubares Angebot mit eindeutig bestimmbaren Inhalten gibt es nicht.

Die Gründe: Die Vielzahl der MBA-Programme innerhalb verschiedener Organisationsformen weist immer größer werdende Unterschiede auf. Diese beziehen sich auf den Ablauf über die Lehrinhalte des Studiums bis hin zu den methodischen und pädagogischen Komponenten. Hinzu kommen große Unterschiede in der Zusammensetzung von Lehrkörper und Studentenschaft.

Bisher gibt es in der zugänglichen Literatur - wissenschaftlich wie kommerziell - auch keinen umfassenden Überblick über die MBA-Angebote in Europa und den USA. Selbst beim Abgleich der verfügbaren Quellen finden sich nur rund 50 bis 80 Prozent der Programme, die am Markt angeboten werden. "Mit der vorliegenden Studie wird angesichts dieser Situation zum ersten Mal der Versuch unternommen, einen gesicherten Überblick über den MBA-Markt aus deutscher Sicht zu geben", berichtet Detlef Kran von der Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA). Deren Studie enthält eine Übersicht von über 80 Anbietern von MBA-Programmen in Deutschland.

Die Ergebnisse der Anbieterbefragung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Anbieter: Weltweit gibt es rund 1300 bis 1500 Anbieter mit rund 5000 Programmen, davon etwa 900 Anbieter in den USA und etwa 120 Anbieter in Großbritannien. In Deutschland gab es im Sommer 2000 rund 80 Anbieter, die rund 100 MBA-Programm anboten. Von den MBA-Programmen werden rund zehn an staatlichen Universitäten, etwa 25 an staatlichen Fachhochschulen und rund 45 weitere von privaten und ausländischen Anbietern / Hochschulen offeriert. Rund Prozent aller Angebote sind Kooperationen beziehungsweise Franchise-Projekte, zumeist mit US-amerikanischen oder britischen Hochschulen.

Studierende: Weltweit gibt es rund 350 000 MBA-Studierende. Die Gesamtzahl der deutschen MBA-Studenten betrug im Jahr 2000 etwa 2500 bis 3000 Studierende. In Großbritannien sind etwa 1000 bis 1200 Deutsche in Programmen eingeschrieben, die zu einem britischen MBA-Abschluss führen. Rund 750 bis 900 Deutsche besuchen Programme mit einem US-Abschluss. Rund 200 bis 250 Studierende besuchen überwiegend Teilzeitprogramme in Österreich und der Schweiz.

Absolventen: Weltweit gibt es jährlich etwa 130 000 MBA-Absolventen. Etwa 1600 deutsche Studierende schließen jährlich (Stand 1999) die Ausbildung mit dem Titel MBA ab. Damit hat sich die Zahl seit 1990 fast verdoppelt. Der überwiegende Teil (rund 90 Prozent) erwirbt einen ausländischen MBA-Abschluss. Wie viele davon nach dem Studium im Ausland bleiben, konnte nicht ermittelt werden.

Formen des MBA: Unterschieden wird zwischen Vollzeit-, Teilzeit-, Fernstudien-, Spezial- und Firmen-MBA. Ein Großteil der befragten Studierenden und Absolventen der Studie besucht Vollzeit- und Teilzeit-Programme. Im Ausland ist jedoch ein Anstieg der Fernstudien- und Teilzeitangebote zu beobachten. So studieren mittlerweile etwa zwei Drittel der MBA-Studierenden in Großbritannien und den USA in Fernstudien- und Teilzeitprogrammen. Im Ausland sind rund 50 Prozent der MBA-Angebote so genannte "Special-MBA". Diese Programmform ist in Deutschland noch selten.

Angebote: Bei der Frage nach dem erstmaligen Programmstart, wird die rasante Entwicklung, die der MBA in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren genommen hat, deutlich. Drei Viertel der Angebote (staatliche / private / ausländische) sind in den zurückliegenden zwei Jahren entstanden, beziehungsweise sollen 2001 beginnen.

Inhalte: Die meistem MBA-Offerten sind General Management Programme. Vertiefungen in Marketing, Finanzen, Informations- Technologie sind meist möglich.

Programmdauer: Die durchschnittliche Programmdauer (Vollzeit / Teilzeit) beträgt rund zwei Jahre, in Fernstudien-Programmen sind es durchschnittlich drei Jahre.

Zulassungsvoraussetzungen: In Deutschland ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium und ein Bewerberinterview oder Bewerbertest in der Regel Zulassungsvoraussetzung. Oft werden auch Berufserfahrung und der Test Of English As A Foreign Language (TOEFL) sowie der General Management Admission Test (GMAT) und Referenzschreiben des Arbeitgebers verlangt.

Lehrkräfte: Durchschnittlich stehen einem Anbieter 31 Dozenten zu Verfügung, Die Anzahl variiert dabei zwischen 6 bis 108 Dozenten. Davon sind bei den befragten Hochschulen durchschnittlich zehn hauptamtlich und 18 nebenamtlich angestellt. Das Verhältnis der Wissenschaftler zu den Praktikern beträgt in Deutschland etwa 50 / 50, mit einem leichten Überhang bei den Praktikern. In Deutschland werden häufig Lehrkräfte aus dem Ausland eingesetzt.

Methoden: Beim MBA in Deutschland überwiegt der "klassische Frontalunterricht" und das "Selbststudium". Bei anglo-amerikanischen MBA-Programmen der "klassische Frontalunterricht" und die Bearbeitung von "Case Studies".

Internationalität: Fast alle MBA-Programme in Deutschland haben im Vergleich zu den USA und Großbritannien eine stärkere internationale Ausrichtung (Fremdsprachen, Unterrichtsinhalte, Lehrkräfte). Rund 70 Prozent des Unterrichts werden in Englisch abgehalten (Bandbreite: fünf bis 100 Prozenmt). 60 Prozent der deutschen Anbieter sehen Studienabschnitte im Ausland vor.

Lerngruppe: Die Anzahl der Studierenden pro Kurs betrug 1999 in Deutschland im Durchschnitt 38 (Bandbreite von zehn bis 150 Studierenden).

Berufserfahrung: Nach Angaben der Anbieter liegt die durchschnittliche Berufserfahrung der Studierenden liegt bei etwa drei Jahren. (In der Studierenden / Absolventenbefragung liegt die Berufserfahrung dagegen bei 7,6 Jahre). Deutsche Anbieter akzeptieren im Gegensatz zu den ausländischen Hochschulen in der Regel keine Studierenden ohne Hochschulabschluss.

Studiengebühren: Die durchschnittlichen Studiengebühren in Deutschland liegen bei 10 000 Mark, mit einer Bandbreite von 0 bis 35 000 Mark. (Großbriannien: Durchschnitt 15 000 Mark bei einem Spektrumvon 7500 bis 100 000 Mark; USA: Durchschnitt 20 000, Spektrum: 5000 bis 50 000 Mark.)

Qualitätssicherung: Eine Evaluierung der Lehrkräfte und der Inhalte durch die Studierenden findet bei allen Anbietern statt. Im Ausland ist die freiwillige Akkreditierung /Qualitätssicherung durch externe Qualitätssicherer an Hochschulen und bei MBA Angeboten üblich. Für Bachelor- und Masterstudienangebote an staatlichen Hochschulen ist dies in Deutschland seit 1998 vom HRG vorgesehen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben