Zeitung Heute : Stundenlang gewartet – und dann doch vergebens: Landeszentralbank schlug Kunden die Tür vor der Nase zu

Der Tagesspiegel

Andrang bis zum Toreschluss: Vor der Berliner Landeszentralbank in Mitte herrschte am Donnerstag Ausnahmezustand. Zum letzten Mal konnten die ehemaligen Währungen der Euro-Länder kostenlos in Euro umgetauscht werden. Ab kommender Woche wird eine Gebühr von zehn Euro pro Währung und Umtausch erhoben. Pünktlich zum Kassenschluss um 13 Uhr wurde rund 150 Wartenden die Eingangstür vor der Nase zugeschlagen. „Wir werden praktisch überrannt“, sagte Bankdirektor Michael Weber zur Entschuldigung.

„Die Mühlen hier mahlen wirklich langsam“, monierte Sebastian Kröner aus Pankow. Gegen 8.20 Uhr hat er sich angestellt. Als er um 13.20 Uhr die Bank wieder verließ, hatte er genau 25 Euro getauscht. Auf die Frage, ob sich das denn wirklich gelohnt habe, zog er nur die Schultern hoch.

Den draußen Wartenden platzte am Mittag der Kragen. Als das Sicherheitspersonal pünktlich die schwere, vergitterte Stahltür schloss, machten die rund 150 Menschen ihrem Zorn Luft. Einige hoben die Fäuste, andere schlugen gegen die Tür oder klingelten Sturm. „Nennen Sie das Kundenfreundlichkeit?“, fragte Kristina Eckhardt aus Lichtenberg erbost. Sie wollte Peseten und Lire für rund 250 Euro eintauschen. Die Bankmitarbeiter blieben jedoch hart. Und schließlich war auch gleich die Polizei mit 15 Mann zur Stelle.

Eine Fristverlängerung für den kostenlosen Umtausch komme nicht in Frage, sagte Bankdirektor Weber. An diesem Osterwochenende wird auf Anordnung der Europäischen Zentralbank (EBZ) das EDV-System umgestellt. Die Landeszentralbank darf dann keinen Euro mehr auszahlen, sondern muss die ausländische Währung aus den Euro-Ländern erst zur EBZ nach Frankfurt schicken. Von dort aus wird dann das umgetauschte Geld aufs Konto überwiesen. Das kann bisweilen mehrere Monate dauern.

„Wir haben wirklich getan, was wir konnten“, sagte Bankdirektor Weber. Mehr als 900 Kunden pro Tag habe das Personal in der vergangenen Woche auf Hochtouren bedient. 200 000 Euro gingen so täglich über den Tisch. Seit der Euro-Einführung hätten sich in der Landesbank Berlin mehr als 10 000 Überstunden angesammelt.

Einen Tipp hat Direktor Weber dann noch für diejenigen, die draußen bleiben mussten: Die fremde Währung im jeweiligen Herkunftsland tauschen. „Das ist in vielen Ländern teilweise unbefristet oder bis zum Jahr 2032 möglich“, sagte Weber. Katja Mitic

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