Zeitung Heute : Sturm auf die Zentrale

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Was wird heute wichtig?

„Stasi raus“, skandierten die Teilnehmer der Montagsdemonstrationen am 4. Dezember 1989, als sie am Abend vor die Bezirks und Kreisstellen des verhassten Geheimdienstes der DDR zogen. Zunächst in Erfurt, wenige Stunden später in Leipzig und Dresden drangen sie in die Dienststellen ein und besetzten sie. Noch nach mittlerweile 15 Jahren erscheint es als ein Wunder, dass die Staatssicherheitsleute nicht die Waffen zogen, dass sie widerstandslos den Volkswillen respektierten. Vielleicht lag es daran, dass einen Tag zuvor mit dem Rücktritt des SED-Politbüros und des Zentralkomitees die Reste der alten politischen Führung abhanden gekommen waren, vielleicht waren die Geheimdienstler selbst zermürbt vom aussichtslosen Kampf gegen den „inneren Feind“, der längst den Gang der Dinge bestimmte. Bürgerkomitees bewachten fortan die schier unermesslichen Aktenbestände. Am 15. Januar 1990 schließlich wurde auch die Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße erstürmt; der im Volksmund „Horch und Guck“ genannte Apparat war am Ende. Vom heutigen Freitag an wird eine dreitägige Fachtagung in Leipzigs „Runder Ecke“, der einstigen Stasi-Bezirksstelle, die Ereignisse von damals beleuchten. Mit Berichten über die Besetzungen der Stasi-Gebäude in 15 Bezirks- und vielen Kreisstädten sollen Forschungslücken geschlossen und Anregungen für wissenschaftliche Vorhaben gegeben werden. sc

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