Zeitung Heute : Stuttgarter Busfahrpläne vergessen Philipp Köster hadert mit seiner WM-Form

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Wenn deutsche Nationalspieler sich nicht mehr ganz so sicher sind, ob sie wirklich so groß und stark sind, wie Jürgen Klinsmann immer behauptet, dann bilden sie einen Kreis und rufen motivationsfördernde englische Vokabeln wie „Power“ oder „Stability“. Früher habe ich darüber gelacht, dass sich unsere Jungs tatsächlich mit Begriffen aus dem Architekturlexikon anfeuern, noch dazu auf Englisch, obwohl Bernd Schneider, Robert Huth und Michael Ballack sicher ab der 5. Klasse nur Russisch und Tschechisch hatten. Heute aber sage ich: Stabilität ist wichtig.

Denn nach zehn Tagen WM registriere ich erste Ermüdungserscheinungen, erste Aussetzer. Beim Spiel Mexiko gegen Angola bin ich Mitte der zweiten Halbzeit daheim auf dem Sofa eingenickt und wachte erst verdattert und mit der Nase im Paradekissen auf, als längst schon Johannes B. Kerner mit Günter Netzer das Spiel analysierte. Oder war es Gerd Delling mit Jürgen Klopp? Ich wankte auf jeden Fall schnell ins Bett.

Auch das Gedächtnis lässt nach. Vor dem Turnier konnte ich lässig sämtliche WM-Gruppen aufsagen, außerdem den iranischen Kader inklusive Nachrückkandidaten und natürlich den Stuttgarter Busfahrplan vom Bahnhof zum Stadion und wieder zurück. Inzwischen bringe ich alles durcheinander, räume Ghana gegen Brasilien Chancen ein und versuche bei meinem Wettanbieter vergeblich, Einsätze auf das Gruppenspiel der Italiener gegen die Schweden zu platzieren .

Wäre ja nun alles nicht so wild, dauerte das Turnier nicht noch fast drei Wochen. Bald halte ich sicher Mahmud Ahmadinedschad für den iranischen Kotrainer. Kurzum: Es wird allerhöchste Zeit für ein bisschen Stabilit ät.

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