Zeitung Heute : Subtil von Anfang an Blame steht für eine neue Designergeneration

Innen ist außen. Ein Kleid für den nächsten Sommer von Blame. Foto: Promo
Innen ist außen. Ein Kleid für den nächsten Sommer von Blame. Foto: Promo

Das Label Blame ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit es die Berliner Mode gebracht hat. Um ihren Stil zu beschreiben, vergleicht ihn die Designerin Sonja Hodzode mit dem anderer Berliner Designer. „Viel schlichtere Schnitte als die von Michael Sontag. Mehr Farben als Augustin Teboul und nicht so avantgardistisch wie Vladimir Karaleev.“

Sonja Hodzode hat Blame im Dezember zusammen mit Sarah Büren in Berlin gegründet, weil ihr letzter Arbeitgeber Michael Michalsky war. Dabei ist das Argument für Berlin etwas ernüchternd: „Woanders hätten wir uns ein Modelabel nicht leisten können.“ Sonja Hodzode hat in New York bei Marc Jacobs gearbeitet. Auch Sarah Büren war im Ausland: In der Schweiz bei Hugo Boss und in London bei Preen. „Nach unserem Studium in Trier wollten wir raus in die große, weite Welt“, sagt Sonja Hodzode.

Stoffe gekauft und spontan angefangen zu nähen haben sie aber erst in Berlin. Plötzlich hatten sie eine Kollektion. Und was macht man damit? Man präsentiert sie auf einer Fashion Week. Das taten die Beiden im letzten Januar in Berlin bei „Designerscouts“, einer kleinen Messe für junge Designer. „Die Reaktionen waren super“, sagt Sonja Hodzode. Also machten sie weiter.

Sonja Hodzode und Sarah Büren bezeichnen sich selbst als „die nächste Berliner Generation“. Das scheint zu einer gewissen Perfektion zu verpflichten – Kleidungsstücke, fein aufeinander abgestimmt, aber trotzdem nicht unauffällig, sauber verarbeitet, gut verkäuflich – kurz, nicht zu „künstlerisch“. Meint zumindest Sonja Hodzode. Das unterscheide sie von den Designern, die den „neuen Berliner Stil“ vertreten. Tatsächlich wirken die zarten Tops, die in der Taille gerafften Röcke auf den ersten Blick recht schlicht. Wenn man aber die Idee kennt, die der Kollektion zugrunde liegt, und die Kragen, Nähte und Kanten genauer betrachtet, könnte Blame eben diesen neuen Berliner Stil auf subtile Weise fortsetzen. An dem Motto „Left right inside out“ also „Links-rechts, innen-außen“ haben sich die Designerinnen akribisch abgearbeitet.

Bei einem Kleid liegt das Futter wie eine Pelerine über den Schultern, ein Stoff ist mit der linken Seite nach außen verarbeitet, so dass das Muster nur durchschimmert, ein Blusenkragen ist am Rücken nach innen gelegt.

Das alles wirkt nicht wie überflüssige Spielerei, sondern wie der entscheidende Unterschied zwischen Designermode und gut gemachter Massenware.

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