Zeitung Heute : Suchthilfe ersetzt die Drogenberatung

Der Tagesspiegel

Dem System der Berliner Drogenhilfe steht ein radikaler Wandel bevor. Die derzeit 13 Drogenberatungsstellen in der Stadt sollen bis 2003 zu sechs regionalen Suchthilfe-Diensten zusammengefasst werden, in die auch die Beratungsangebote für Alkoholprobleme integriert werden. „Die unvernünftige Trennung in legale und illegale Drogen hat mit der Konsumpraxis nichts mehr zu tun“, sagte der Gesundheitsstaatssekretär Hermann Schulte-Sasse gestern anlässlich der offiziellen Vorstellung des Drogenberichtes 2001.

Dies bestätigte auch die Landesdrogenbeauftragte Elfriede Koller. „Todesursache ist bei den meisten Abhängigen der Konsum mehrerer Rauschgifte, auch Alkohol, und die Wechselwirkungen, die sich daraus ergeben.“ Statt der einstigen Modedroge Heroin konsumierten die Suchtkranken zunehmend einen wahllos zusammengestellten Drogencocktail. Wie bereits berichtete, starben im letzten Jahr 189 Menschen durch den Konsum illegaler Rauschgifte, 36 weniger als im Jahr 2002. Natürlich erwartet die Senatsgesundheitsverwaltung von der Straffung der Strukturen auch Einsparungen im zentralen Drogenhilfebereich. Derzeit stehen in Berlin jährlich 9,2 Millionen Euro zur Verfügung (zum Vergleich: in Hamburg sind das 12,2 Millionen). Das durch die Regionalisierung eingesparte Geld soll wieder in die Drogenhilfe fließen – möglicherweise über eine Beteiligung des Landes an den Kosten von Fixerstuben, in denen Rauschgiftsüchtige unter hygienischen Bedingungen und ärztlich überwacht Drogen konsumieren können.

Für deren Finanzierung wären eigentlich die Bezirke zuständig, doch Schulte-Sasse weiß, dass dies nicht ohne Unterstützung des Senates funktionieren würde. Mehrfach hat der Staatssekretär bereits seine Präferenz für diese Form der Drogenhilfe signalisiert. „Gesundheitsräume in Berlin sind möglich und auch notwendig.“ Bis Mitte des Jahres erwartet Schulte-Sasse eine entsprechende Grundsatzentscheidung.

I.B.

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