Zeitung Heute : Süddeutschland: Kulinarische Reiserouten

Franz Lerchenmüller

Die Idee ist gut: Einmal Reiserouten in Süddeutschland zu versammeln, an denen sich Historie, Herstellung und gastronomische Veredelung bestimmter Lebensmittel und Getränke studieren lassen. Wo man gewissermaßen mit Auge, Kopf und Gaumen kulinarische Elemente ergründen kann. Nur: Sie trägt nicht. Zwar gibt es eine Bier, Bocksbeutel-, Moselwein und Viez- (Apfelwein-)Straße, bei den Lebensmitteln aber sieht es düster aus: Gerade mal die Allgäuer Käseroute beschäftigt sich ausdrücklich mit dem, was auf den Teller kommt.

Was tut man da, als Autor, der eine Fernsehserie für den SWR und das Begleitbuch dazu konzipieren will: man mogelt. Die Salzstraße mag ja noch angehen. Was aber die Porzellan-, die Glas- oder gar die Schwäbische-Alb-Straße mit kulinarischen Reiserouten zu tun haben? Nun ja. Reicht mengenmäßig noch nicht aus? Liegen da nicht irgendwo noch diese Exkurse zum Balsamessig oder zur Artischocke. Zudem: Da gab es doch im Tagesspiegel eine Reportage über die Käsestraße - ein paar Passagen, fast wörtlich, wen kümmern solche Feinheiten schon ...

Schnitt. All diese Mängel in Rechnung gestellt, ist dies ein nettes Buch. Die jeweils sechs Seiten Kulturhistorie sind handfest, die - angeblich eigens ausgedachten - Rezepte originell, es gibt zu jedem Gebiet eine Routenbeschreibung, eine Karte und zahlreiche Restaurant- und Einkaufstipps. Menschen, die einen thematischen Urlaub mit kulinarischer (Unter-)Fütterung planen, werden hier fündig.

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