Zeitung Heute : Süß oder trocken – immer auf Weltniveau

Am 17. Mai zeigen die Österreicher in Berlin ihre aktuellen Weine

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Wenn es eines Beweises bedurfte, dass existenzielle Krisen große Kräfte freisetzen könne, dann haben ihn die österreichischen Winzer in den letzten 20 Jahren geliefert. Als der Ruf ihrer Weine nach dem GlykolSkandal in Trümmern lag, besannen sie sich auf ihre Stärken, setzten ein neues, strenges Weinrecht durch und krempelten die Ärmel auf. Der klassische Grüne Veltliner, der Zweigelt und andere heimische Rebsorten waren die Basis für einen beispiellosen Qualitätsaufschwung. Hinzu kamen Glücksfälle bei wichtigen Verkostungen. Denn als Rieslinge aus der Wachau erstmals über ihre Gegenstücke von Mosel und Rhein triumphierten, als erstmals Veltliner großen weißen Burgundern das Nachsehen gaben, da war auch das Interesse der wichtigsten Exportländer geweckt.

Der Rebsortenmix Österreichs spiegelt die Lage des Landes zwischen Deutschland auf der einen und Ungarn und Slowenien auf der anderen Seite, die sich auch im Klima niederschlägt. Während im kühleren Norden, vom Weinviertel bis in die Wachau, Veltliner und Riesling ideale Bedingungen vorfinden, ist der Osten um den Neusiedlersee unter dem Einfluss der ungarischen Tiefebene für Rotweine und edelsüße Auslesen prädestiniert; in der Steiermark (siehe unser Bericht auf dieser Seite) gedeihen international geschätzte Weiße wie Sauvignon und Chardonnay besonders gut. Die Gesamterzeugung beläuft sich auf 3 Millionen Hektoliter, das ist etwa ein Drittel der deutschen Produktion.

Die österreichischen Weinberge sind in den letzten Jahren vom Wetter unterschiedlich verwöhnt worden. Die weltweite Erwärmung macht vor ihnen nicht Halt, und in den meisten Anbaugebieten fehlt es seit Jahren an Regen. Dennoch war gerade die Lese 2001 da und dort von starken Regenfällen beeinträchtigt, und das Jahr 2002 ging sogar als Jahr der großen Regenkatastrophe in die Geschichtsbücher ein, denn vor allem in der Wachau richteten die Wolkenbrüche im Sommer riesige Schäden an. Andere Gebiete blieben indessen weitgehend verschont, und für die Rotweinregionen hat sich das Jahr 2002 dagegen sogar sehr erfolgreich entwickelt. 2003 ist, wie überall in Europa, frei gewesen von Problemen. Es wird als großes Jahr auch in Österreich in die Geschichte eingehen.

Typisch für den österreichischen Stil sind trockene Weine mit kräftigem Extrakt und ausgeprägter Säure, außerdem substanzreiche Süßweine, die überwiegend von Edelfäule geprägt sind. Gerade bei den Rotweinen setzen sich international gefragte Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot immer mehr durch, werden aber nur ausnahmsweise reinsortig auf die Flasche gebracht: Es dominieren Cuvées mit österreichischen Reben wie Zweigelt und Blaufränkisch, die den regionalen Charakter der Weine betonen.

Die rege Marketingorganisation des österreichischen Weinbaus hat schon seit über zehn Jahren Berlin als wichtigen und trendsetzenden Zuwachsmarkt fest im Blick. Deshalb veranstaltet sie am übernächsten Montag, dem 17.Mai , zusammen mit den Berliner Händlern eine umfassende Präsentation der aktuellen Jahrgänge 2002 und 2003. Von 15 bis 19 Uhr werden interessierte Besucher im Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt zum Verkosten und Fachsimpeln mit den wichtigsten Winzern unseres Nachbarlandes erwartet. Weitere Einzelheiten zu dieser Veranstaltung erfahren Sie am nächsten Sonntag auf einer weiteren Sonderseite.bm

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