Zeitung Heute : Süßer Wunsch

Chocri mixt jedem Kunden seine Lieblingsschokolade – ein tolles Rezept

Jede Unternehmensgeschichte hat ihren eigenen Gründungsmythos. Jene der Studenten Franz Duge, Michael Bruck und ihrer Schokoladenfabrik beginnt in zwei Etappen. Die erste ebnet den Weg ins Schokobusiness. Michael, Student der Philosophie und Geschichte, war gelangweilt vom Kellnerjob und auf der Suche nach einer Exitstrategie. Ein kleiner Import-Export-Handel mit Küchengeräten via Ebay führte dann über Umwege zu seinem ersten Verkaufsschlager, dem Schokobrunnen. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Franz verkaufte er massenhaft Schokofondue in Brunnenform made in China.

Die zweite Etappe beginnt mit einer Liebesbotschaft. Noch immer kein Geschenk für den Geburtstag der geliebten Freundin, grämte sich der angehende Wirtschaftsingeneur Franz. Etwas Besonderes, Individuelles und Süßes sollte es sein. In der Nacht zum Wiegenfest kam sie dann – die Idee. Franz und Michael holten den alten Sandwichmaker mit Waffelaufsatz aus dem Küchenschrank, gossen ihren Vorrat an Fondueschokolade in die Waffelförmchen und bestreuten sie mit dem Lieblingsnaschwerk der Freundin. Es entstanden die ersten drei Tafeln selbst gemachter Schokolade mit Smarties, Studentenfutter und Gummibärchen. Der Geburtstag war gerettet und eine Geschäftsidee geboren.

Die Gründung der Bruck und Duge GbR fällt in den September 2008. „Lehman Brothers ging gerade den Bach runter“, erinnert sich Franz, „aber von der Wirtschaftskrise haben wir gar nichts gemerkt.“ Anfangs grübelten die beiden 23-Jährigen noch, ob sie die für Kostendeckung benötigten 500 Tafeln pro Monat überhaupt an den Mann und die Frau bringen könnten. Heute verschicken sie täglich bis zu 2000 Tafeln Schokolade. Im Jahr 2009 konnten sie eine knappe Million Euro mit ihren selbst bestreuten Naschereien umsetzen. Nicht umsonst wurden sie mit dem Gründerpreis der Wirtschaftswoche als bestes Start-up 2009 prämiert. „Im Vergleich zum Vorjahresmonat konnten wir den Umsatz im März 2010 um 100 Prozent steigern“, erklärt Michael Bruck, der die Chokri-Statistiken überwacht. Die 270-Quadratmeter-Fabrik in Treptow-Köpenick kann die Bestellungswellen kaum noch auffangen.

Eine einspurige Betonstraße führt zu dem Gewerbegelände, auf dem die Chokri-Kreationen hergestellt werden. Keine Gegend, in der man Gründergeist vermutet. Für die Bruck und Duge GbR arbeiten mittlerweile 15 bis 20 Mitarbeiter rund um die Uhr.

Zu den klassischen Schokoladenzeiten, Weihnachten oder Ostern, werden zusätzliche Saisonkräfte eingestellt. Die Produktionsmitarbeiter kommen aus Berlin. Heidemarie Wunderlich, 58, schnitzt gerade an einer Tafel weißer Schokolade mit der Aufschrift „Ich Liebe Dich“. Seit Oktober 2009 ist sie feste Mitarbeiterin. „Die Arbeit macht Spaß, weil man kreativ sein darf“, sagt die ehemalige Leiharbeiterin. Gern kreieren die Kunden individuelle Liebestafeln mit Goldstaub, roten Herzchen und versteckten Heiratsanträgen. Um die 100 Zutaten können mit den Schokosorten Weiß, Vollmilch und Zartbitter kombiniert werden. Rein theoretisch bietet Chokri über 16 Milliarden verschiedene Schokoladenvariationen. Das macht gute zwei Tafeln pro Weltbürger. Das Konzept der maßgeschneiderten Massenproduktion oder Mass customasation, wie es im Fachjargon heißt, überlässt dem Kunden die Rezeptur für sein Produkt. Ein Markt, der derzeit boomt.

Neben sämtlichen Anrainerstaaten, Tschechien und Polen ausgenommen, liefern die Jungunternehmer ihre personalisierte Schokolade seit Jahresbeginn auch in die USA. „Make Chokri not war“ steht an der Tür zu den Produktionsräumen, in die nur biologisch und fair gehandelte Produkte Einlass finden. Das Unternehmensgeheimnis ist das Produkt: Schokolade macht eben glücklich.

www.chocri.de

Im Vergleich zum Vorjahresmonat konnten wir den Umsatz

im März 2010 um 100 Prozent steigern.“

Michael Bruck und Franz Duge,

Gründer und Geschäftsführer der Firma Chokri

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