Zeitung Heute : Süssmuth verweigert Laudatio

Der Tagesspiegel

Die Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille des Abgeordnetenhauses an die streitbare Autorin Daniela Dahn droht immer mehr zum politischen Skandal zu werden. Am Montag erklärte Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) überraschend, sie sei nicht mehr bereit, an diesem Mittwoch die Laudatio zu halten. „Frau Süssmuth will nicht instrumentalisiert werden“, teilte ihr Bundestagsbüro dem Tagesspiegel auf Anfrage mit. Damit reagierte die Bundestagsabgeordnete, die zur Zeit im Ausland weilt, auf die am Wochenende geäußerte Kritik ihrer Parteifreundin Hanna-Renate Laurien .

Die frühere Präsidentin des Abgeordnetenhauses hatte, wie berichtet, die ihr vor drei Jahren verliehene Medaille zurückgegeben. Sie wirft Dahn vor, in ihren Büchern die DDR zu verharmlosen. So hatte die Schriftstellerin in ihrem Bestseller „Westwärts und nicht vergessen“ vor sechs Jahren geschrieben: „Mit Blick auf die von mir erlebte poststalinistische DDR und die finanzstalinistische BRD scheint mir: Die Summe der Repression ist immer gleich.“ Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält hingegen daran fest, die Ehrung des Abgeordnetenhauses an die umstrittene Schriftstellerin zu verleihen. Sein Sprecher Michael Donnermeyer sagte: „Frau Dahn löst zweifellos eine Polarisierung aus. Aber gerade deswegen wird sie ja geehrt.“ Wowereit will die Medaille während einer Feierstunde im Roten Rathaus gemeinsam mit der Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses, Martina Michels (PDS), verleihen.

Die Auszeichnung soll Frauen ehren, die sich Verdienste um Demokratie, Frieden und soziale Gerechtigkeit erworben haben. Verliehen wird sie vom Regierungschef, aber die Auswahl trifft eine Kommission des Parlaments, in der Frauen aus den fünf Fraktionen sitzen. Hier hatten sich SPD und PDS mehrheitlich auf Dahn geeinigt. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Louise-Schroeder-Medaille einen Skandal ausgelöst, da sich die CDU im Abgeordnetenhaus dagegen gesperrt hatte, die inzwischen verstorbene langjährige brandenburgische Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD) zu ehren. lvt

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