Zeitung Heute : Super-Busen

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Markus Ehrenberg über

die beliebtesten Suchbegriffe

Woran erkennt man einen Franzosen? Er isst und trinkt gut. Einen Italiener? Gilt als geschmackssicher, ist eher klein. Einen Deutschen? Beschwert sich im Urlaub. Einen Amerikaner? Das Land ist so groß und vielfältig, der Durchschnitts-Amerikaner gibt sich, wenn überhaupt, über Lycos zu erkennen. Der Internet-Dienst ermittelt wöchentlich jene 50 Menschen, Gegenstände und Ereignisse, nach denen US-Internetnutzer am häufigsten in den Suchmaschinen gefragt haben.

Ein gutes Stimmungsbarometer also. Wer oder was könnte da diese Woche ganz oben stehen? Die Vorwahlen der Demokraten um die US-Präsidentschaftskandidatur sind es nicht, die Biathlon-WM auch nicht. Aber irgendwas muss die Welt doch zusammenhalten. Richtig. Am häufigsten wurde in Suchmaschinen nach der entblößten Brust von Janet Jackson gefragt. Hintergründe dazu sind im Internet so begehrt wie Infos über die Anschläge vom 11. September 2001.

Bevor Jacksons Busen am Sonntag in der Pause des „Super Bowl“ vor einem Millionenpublikum über die TV-Bildschirme flimmerte, hat es in der Geschichte von Lycos nur zum 11. 9. ähnlich umfangreiche Internetrecherchen gegeben. Nach dem Auftritt, bei dem Justin Timberlake zu stark an Jacksons Lederbustier zerrte und ihre rechte Brust freilegte, gaben Websurfer immer wieder die Suchbegriffe „Janet Jackson“, „Superbowl“ und „Brust“ ein. Das interessiert den stillen Amerikaner, höchstwahrscheinlich nicht nur den. Was lernen wir Medienmenschen daraus? Man sollte mehr Busen-Bilder bringen, und Print-Produkte gingen weg wie geschnitten Brot. Der Blick auf Jacksons Brust war übrigens 60 Mal begehrter als ein weiterer Suchmaschinen-Lieblingsbegriff: das Sex-Video von Paris Hilton, der gleichnamigen Tochter der Hoteldynastie.

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