SUPERHELDEN IN AKTION„Marvel’s The Avengers“ : Ein Alien kommt selten allein

Foto: WDS
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Keine Ahnung, ob die Kids von heute diese Faszination nachvollziehen können. Aber wer vor vielen Jahren als junger Mensch mit zittrigen Fingern die Superheldencomics des Marvel-Verlags vom örtlichen Zeitschriftenhändler geholt und sie – oft mit Missbilligung der Eltern – im Kinderzimmer verschlungen hat, für den geht mit „Marvel’s The Avengers“ ein Traum in Erfüllung.

Dabei hätte die Verfilmung der Superhelden-Serie durchaus ein ähnliches Desaster werden können wie die beiden „Fantastic Four“-Adaptionen. Doch schon die Beteiligung von Joss Whedon als Regisseur und Drehbuchautor dürfte viele Fans im Vorfeld beruhigt haben, schließlich hat der mit den gefeierten TV-Serien „Buffy“, „Angel“ und „Firefly“ schon sein Talent bewiesen.

Die „Avengers“ spielen allerdings in einer anderen Liga: 220 Millionen Dollar Produktionskosten sind zwar Blockbuster-Standard, doch was für einen Unsinn man mit einem solchen Haufen Geld anstellen kann, zeigte kürzlich die hirnlose Science- Fiction-Ballerei „Battleship“. Joss Whedon indes jongliert nicht nur virtuos mit den Möglichkeiten des Budgets, er schafft es auch, die potenziell zentrifugalen Kräfte der Starbesetzung (siehe Credits) zu einem großartigen Ensemblefilm zu bündeln.

„Marvel’s The Avengers“ wurde durch eine Art cineastische Sternfahrt vorbereitet. „Iron Man“, „Thor“, „Hulk“ und „Captain America“ enthielten kurze Anspielungen auf das noch zu bildende Superhelden-Team. Und was selbst Optimisten nicht erwartet hätten: Das Ergebnis ist mehr als die Summe der (guten) einzelnen Teile. Zugegeben, der Film kommt etwas schwer in die Gänge, aber dann folgt eine zweistündige Action-Dampfwalze mit spektakulären Effekten, geschliffen scharfen Dialogen, mit Wortwitz und Situationskomik.

Die Geschichte – Loki, der böse Halbbruder des Donnergotts Thor, öffnet mithilfe eines extraterrestrischen Artefakts eine Dimensionstür, damit die äußerst unsympathischen Chitauri wie eine Bande von außerirdischen Hells Angels über die Erde herfallen können – passt auf den sprichwörtlichen Bierdeckel, doch darum geht es hier nur sekundär. Zuallererst ist dieser vielleicht gelungenste aller Superheldenfilme ein Riesenspaß für alle, die sich einen Rest an kindlicher Begeisterungsfähigkeit bewahrt haben. Spektakulär.Jörg Wunder

USA 2012, 143 Min., R: Joss Whedon, D: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Scarlett Johansson, Chris Evans, Samuel L. Jackson, Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Jeremy Renner, Gwyneth Paltrow

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