Zeitung Heute : Supersexy Kolumne

Der Tagesspiegel

Sehen Sie: Das liest man. Egal, worum es geht: Sex verkauft sich. Sex soll den in Milliardenschulden versunkenen Sender „Premiere“ retten, Sex soll dem unrettbar verkanteten Programm „Neun live“ Publizität verschaffen, und zwar durch die Einrichtung eines erotischen Wetterberichts zur Nacht: Strudelnde Tiefdruckgebiete und mopsige Kumuluswolken sind die wissenschaftliche Grundlage, Strips und Strapse das optische Gleitmittel. „Hallo, Süßer“, heißt es dann, während das Bustier fällt, „das ist eine Sturmwarnung.“ Hui, das wird Kachelmann zusetzen, und er hat nur zwei Möglichkeiten: Selbst ebenfalls die Klamotten abwerfen - oder eine Handvoll Gagschreiber einsetzen. Die sind zwar nicht erotisch, garantieren aber die hohe Witzdichte, die allein den letzten sexfreien TV-Sendungen noch Quote bringt. Gagschreiber sind nach dem Absturz der Aktien-Analysten praktisch die Regenmacher der Postmoderne; sie zwingen jenes homerische Gelächter herbei, das uns weiteres Fernsehen trotz Dax und Nemax noch denkmöglich scheinen lässt. Jeder hat welche - selbst hier an dieser kleinen Glosse dengeln drei Senior-Schreiber, vier Volontäre und zwei Praktikanten herum. Ihre Idee für heute: Drei sexy Gagschreiberinnen, die sich beim Erzählen ihrer eigenen Witze langsam ausziehen, bis die Sonne aufgeht. Das müsste eigentlich reichen, um „Premiere“ wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen.

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